Das Fachkrankenhaus für die Seele
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18. September 2019

Gestern, heute, morgen - Unternehmenshistorie

Das Klinikum Wahrendorff blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Im Jahr 1862 gründete der Landarzt Ferdinand Wahrendorff das psychiatrische Krankenhaus in Sehnde/Ilten.

Damals wurde es noch als „Anstalt“ bezeichnet. Ferdinand Wahrendorff nahm seine Arbeit in den Räumlichkeiten des Amtshauses auf. Die Behandlung von psychisch kranken Menschen sah er nicht im Wegsperren, sondern im Versorgen und Einbinden dieser in die Dorfgemeinschaft. Er versuchte, eine sinnvolle Beschäftigung für die Menschen zu finden (Feldarbeit, Mitarbeit auf den Bauernhöfen und in landwirtschaftlichen Betrieben). 

Nach und nach wurde das psychiatrische Krankenhaus ausgebaut. Zahlreiche Häuser sind inmitten einer großen Parkanlage in Sehnde/Ilten und Köthenwald entstanden. Einzelne Fachabteilungen sind hinzugekommen. Nach 1945 war die Einrichtung in einem sehr schlechten Zustand. Im Rahmen des Wiederaufbaus wurde damit begonnen, sämtliche Häuser zu renovieren. Viele land- und forstwirtschaftliche Betriebe konnten ausgebaut werden und gaben den Patienten Beschäftigung. Trotzdem verbesserte sich die Unterbringung, vor allem für die Langzeitpatienten nur langsam und schrittweise. Die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Einführung der Sozialversicherungspflicht ließ viele Arbeitsplätze für weniger qualifizierte Beschäftigte wegfallen. Gleichzeitig wurden sehr berechtigte Forderungen zur Verbesserung der Unterbringung und Versorgung von Menschen in psychiatrischen Einrichtungen und Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen gestellt (Leitlinien zur Reform der Psychiatrie  in 1975 / Psychiatrie-Enquete). Schlagworte der Diskussion waren u.a.: Therapie statt Verwahrung, Auflösung der Großeinrichtungen, gemeindenahe Versorgung. Diese Veränderungen erforderten hohe Investitionen. Die wirtschaftliche Situation der damaligen „Wahrendorffschen Anstalten“ verschlechterte sich zusehends.  Schließlich stand die Einrichtung 1993 kurz vor dem Konkurs.

1994 übernahm der Psychiater und Anästhesist Dr. Matthias Wilkening die Einrichtung, die in der Folge in Klinikum Wahrendorff umbenannt wurde.  Von Anfang an entbrannte ein über viele Jahre anhaltender, inzwischen beigelegter Streit mit dem Land Niedersachsen um die angemessene Höhe der Pflegesätze zur Refinanzierung der Investitionsmaßnahmen und der damals dringend notwendigen Verbesserungen in der personellen Ausstattung.

Im Klinikum Wahrendorff wurde nach dem Inhaberwechsel sehr viel in die Qualifikation der Mitarbeiter investiert. Die Quote der mindestens dreijährig ausgebildeten Mitarbeiter stieg seitdem von rd. 30 Prozent auf heute knapp unter 100 Prozent. Die Bedürfnisse der Patienten und Bewohner wurden bei vielen Entscheidungen in den Mittelpunkt gestellt. Der Umgang zwischen Mitarbeitern, Patienten und Bewohnern im Heimbereich änderte sich in den nächsten Jahren. Das Klinikum Wahrendorff nahm an den großen Veränderungen in der psychiatrischen Versorgung, der psychiatrischen Pflege und Medizin aktiv teil. Die Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit der im Klinikum Wahrendorff lebenden Menschen rückte in den Vordergrund – soviel Normalität wie möglich wurde ein Leitbegriff. Bauliche Umstrukturierungsmaßnahmen führten zu mehr Lebensqualität der Bewohner. Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche Häuser renoviert. Inzwischen gibt es im Heimbereich nur noch Ein- und Zweibettzimmer. Es erscheint heutzutage unvorstellbar, dass es Anfang der 90er Jahre noch Schlafsäle mit weit mehr als 10 Bewohnern gab. 

Das Klinikum Wahrendorff öffnete sich bewusst mehr nach außen. In dieser Zeit gründen sich die Wahrendorff-Freunde, die Wahren-96er, es entstehen das Magazin Is´ ja Ilten, die Dorff-Gärtnerei und die Fahrradwerkstatt . Die in großen Teilen neu aufgebaute Tagesstruktur des Klinikum Wahrendorff mit zahlreichen Angeboten im Bereich der heiminternen Tagesstruktur und Tagesförderstätte, gibt den Bewohnern die Möglichkeit ihren Alltag außerhalb des Wohnbereiches zu gestalten. Zahlreiche Veranstaltungen wie Konzerte, Tanz, Theater und Basare schaffen einen Ort der Begegnung und für Gespräche zwischen Mitarbeitern, Besuchern, Anwohnern und Bewohnern. Die Veranstaltungen sind weit über die Grenzen der Stadt Sehnde bekannt und für viele aus dem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken.

Durch harte Arbeit aller, dem Verzicht der Belegschaft auf Gehalt, durch die Änderung vieler Arbeitsabläufe und durch das Eingehen auf Neues ist es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und der Geschäftsführung gelungen, das Klinikum Wahrendorff zu sanieren und neu aufzustellen.

Das Klinikum Wahrendorff ist derzeit eine  der größten psychiatrischen Einrichtungen Deutschlands in privater Trägerschaft. Mehr als 1.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten täglich sehr gute Arbeit und tragen damit entscheidend zur hohen Qualität des Klinikums bei. Für die Stadt Sehnde und das Umland ist das Klinikum der größte Arbeitgeber geworden.

Nach 150 Jähriger Geschichte des Klinikums Wahrendorff steht dessen Wachstum aber noch lange nicht still. Der letzte Heimbereich ist im Klinikum saniert, eigene psychiatrische  Arztpraxen sind in Ilten und Köthenwald entstanden. Dank eines Krankenhausneubaus in Celle - Psychiatrisch-Psychosomatische Klinik Celle - werden die Bewohner der Stadt und des Landkreises Celle seit August 2015 wohnortnah versorgt. Ein Krankenhausneubau ist in Köthenwald in Planung – wenn es gut geht, wird er 2021 eingeweiht.