Das Fachkrankenhaus für die Seele
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10. Dezember 2019

Neues Angebot: Psychiatrische Betreuung für Zuhause

Innovativ Handeln, Situationen und alltägliches Tun immer wieder in neue Kontexte stellen, Perspektiven wechseln …. Gutes bewahren, aber Neues wagen …  So ist unser Grundverständnis der Arbeit im Klinikum Wahrendorff.
Auf dieser Basis erfinden wir uns immer wieder ein wenig neu, entwickeln neue Behandlungsangebote und prüfen die Möglichkeiten, die uns der Markt und der Gesetzgeber anbieten. Ganz aktuell ist das die Möglichkeit einer Stationsäquivalenten psychiatrischen Behandlung, kurz StäB. Es ist eine neue Form der Krankenhausbehandlung, bei der die psychiatrische Behandlung im privaten Lebensumfeld der Patientinnen und Patienten stattfindet. Mobile Teams übernehmen die Behandlung.
 
Elke Fahle, Krankenschwester, ist erste Ansprechpartnerin bei diesem neuen Angebot in Planung. Sie gibt uns Antworten auf offene Fragen zum Projekt.

Interview mit Frau Fahle

Frau Fahle, was verbirgt sich hinter diesem neuen Angebot der psychiatrischen Betreuung  für Zuhause?
Nicht immer ist eine vollstationäre psychiatrische Behandlung möglich oder förderlich. Mit dem neuen Angebot wollen wir nun die Betreuung im heimischen Umfeld möglich machen. Der Gesetzgeber ermöglicht Kliniken seit Kurzem auch schwer psychisch Kranke mit multiprofessionellen Teams im privaten Lebensumfeld zu behandeln. Noch bieten das nur sehr wenige Kliniken an.
 
Können Sie das Angebot der StäB noch etwas konkreter beschreiben?
Die Stationsäquivalente psychiatrische Behandlung erfolgt im privaten Umfeld der Betroffenen. Das kann die Wohnung sein, aber auch ein Pflegeheim. Über sechs bis acht Wochen sucht das StäB-Team (oder ein Mitarbeiter des StäB-Teams) die Patientin oder den Patienten mindestens einmal am Tag auf. Ein Teammitglied ist tagsüber immer telefonisch zu erreichen. Die StäB wird auch als Home-Treatment bezeichnet und steht unter ärztlicher Leitung, verbunden mit regelhaften Visiten vor Ort. Voraussetzung ist, dass die Patienten eine Indikation für eine stationäre psychiatrische Behandlung haben, aber aus bestimmten Gründen nicht in der Klinik behandelt werden können oder wollen.
 
Was für Gründe sprechen denn für eine StäB?
Die Gründe sind recht vielfältig. Dazu gehören z. B. schlechte Erfahrungen mit vorherigen Krankenhausaufenthalten, kleine und schulpflichtige Kinder oder Tiere, die versorgt werden müssen. Etliche Patienten fühlen sich mit dem Stationsalltag auch überfordert und halten den langen und engen Kontakt zu einer größeren Gruppe nicht aus. Und die StäB bietet den Vorteil, dass Angehörige besser in die Behandlung mit einbezogen werden können. Wir können das direkte Lebensumfeld der Patienten deutlich konkreter berücksichtigen und die Behandlung somit noch individueller anpassen. Diese intensive psychiatrische Behandlung kann helfen, Patienten aus akuten Krisen zu begleiten. So kommen sie leichter mit ihrem Alltag klar.
 
Wer arbeitet im Team mit und was können Sie zum Arbeitsalltag sagen?
Im Team arbeiten unter anderem Ärzte, Psychologen, Pflegefachkräfte, Sozialarbeiter und Ergotherapeuten eng mit den Betroffenen und Angehörigen in deren gewohnten Umfeld zusammen. Erste Erfahrungen an anderer Stelle zeigen, dass diese enge Zusammenarbeit im Team stärker ausgebildet ist als im Stationsalltag. Das gefällt vielen Teammitgliedern. Insbesondere das sehr eigenständige Arbeiten in den Teams und die individuelle Arbeit mit den Patienten motiviert stark.
Wer an dieser Tätigkeit Interesse hat, kann sich gerne melden. Wir suchen noch mehrere erfahrene, kompetente und motivierte Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpfleger, Heilerziehungspfleger und Erzieher.*

* Im vorliegenden Text verwenden wir ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit keine Gendergap-Schreibweise. Gemeint sind bei allen Schreibweisen immer alle sozialen Geschlechter (divers, männlich, weiblich).