Das Fachkrankenhaus für die Seele
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21. Oktober 2019

Medizinisches Glossar

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A

Abgrenzung zum „schädlichen Gebrauch“

Nicht jeder, der in schädlichem Maße Suchtstoffe konsumiert, leidet auch an einer Abhängigkeitserkrankung.

Schädlicher Gebrauch einer Substanz liegt dann vor, wenn  der Konsum einer oder mehrerer Substanzen zu körperlichen oder psychischen Schädigungen führt. Dabei handelt es sich um Substanzen wie Alkohol, Drogen oder Medikamente.

Die Schäden können beispielsweise Infektionskrankheiten sein, die durch Drogenkonsum herbeigeführt wurden (z.B. Hepatitis), es kann sich jedoch auch eine depressive Episode in Folge massiven Alkoholkonsums handeln. Soziale Folgeschäden (z.B. Eheprobleme) sind kein Kriterium für diese Diagnose.

Abhängigkeitserkrankungen

Abhängigkeitserkrankungen sind leider kein seltenes Krankheitsbild. Dennoch fällt der Gesellschaft der Umgang mit solchen Erkrankungen häufig schwer. Dies liegt in erster Linie wahrscheinlich daran, dass das Wissen um Suchterkrankungen für ein Verständnis oft nicht ausreichend ist.

Abhängigkeitserkrankungen sind chronische Erkrankungen, die mit sich bringen, dass ein „normaler“, unbeschwerter Umgang beim Konsum einer oder mehrerer Substanzen nicht mehr möglich ist.

Betroffene geraten im Rahmen einer solchen Erkrankung in einen Kreislauf, in dem sich alles nur noch um den Konsum der Substanz zu drehen scheint. Andere Lebensbereiche werden häufig stark vernachlässigt, was zur Belastung zwischenmenschlicher Beziehungen, aber auch zur Gefährdung von Gesundheit und Arbeitsplatz führen kann. 

Obwohl der Betroffene häufig den Wunsch hat, den Konsum zu beenden, scheitern Versuche, abstinent zu leben, oft. Beim abrupten Absetzen der Substanz kommt es zu Entzugserscheinungen, die sehr gefährlich sein können. 

Auch nach einem abgeschlossenen körperlichen Entzug von der Substanz erlebt ein substanzabhängiger Mensch in bestimmten Situationen, z.B. bei Stress oder unangenehmen Gefühlen, Suchtdruck – das starke Verlangen zu konsumieren. Dieses Symptom ist meistens der Auslöser für auftretende Rückfälle.

Achtsamkeitstraining

Kern aller Achtsamkeitstechniken ist das absichtsvolle, nicht wertende Richten der Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment. Das Konzept der „Achtsamkeit“ spielt in unseren Behandlungen eine große Rolle. Achtsamkeit ist ein Verfahren, bei dem die bewusste Aufmerksamkeitslenkung trainiert wird. Es geht um die Wiederherstellung eines persönlichen Gleichgewichts und eines liebevollen Umgangs mit sich selbst. Achtsamkeit kann Patienten zum einen helfen, mehr Akzeptanz sich selbst sowie ihrer Erkrankung gegenüber zu finden, zum anderen hilft achtsames Wahrnehmen von Bedürfnissen und Gefühlen, ursprünglich unwillkommene Zustände besser auszuhalten.

Angsterkrankungen

Ängste sind etwas, das zu unserem Leben dazugehört. Ohne Angst würden wir uns Gefahren aussetzen, die für uns lebensgefährlich sein könnten. So gesehen ist Angst ein Schutzfaktor, ohne den Menschen und Tiere nicht überleben können.
Eine Angsterkrankung liegt dann vor, wenn ein Mensch übermäßig viel Angst hat, die keinen notwendigen Schutz darstellt.

Während die Angst vor einem Tiger eine gesunde Schutzmaßnahme darstellt, ist die Angst vor öffentlichen Plätzen problematisch, da sie die Teilhabe am sozialen Leben verhindert.

Diese Angst vor öffentlichen Plätzen nennt man „Agoraphobie“. Oftmals beginnt eine Agoraphobie mit dem Auftreten von Panikattacken, einer schnellen heftigen Angst mit starken körperlichen Symptomen, wie Herzrasen, Atemnot, Angst vor Ohnmacht und vielem mehr. Panikattacken können auch allein und „aus dem Nichts“ auftreten. Dann liegt eine „Panikstörung“ vor.

Neben diesen Angsterkrankungen gibt es noch viele weitere bekannte Ängste, die Menschen das Leben schwer machen können. 

Die „soziale Phobie“ ist eine ausgeprägte Angst vor dem Kontakt mit Menschen. Der Hintergrund ist meistens eine sehr starke Sorge, sich lächerlich zu machen oder von anderen abgelehnt zu werden.

Eine „spezifische Phobie“ ist eine Angst vor einer klar abgrenzbaren Situation, wie dem Betreten eines Fahrstuhls oder Flugzeugs. Sie kann sich auch auf bestimmte Lebewesen, wie etwa Spinnen oder Schlangen, aber auch andere Dinge beziehen.

Eine so genannte „Generalisierte Angststörung“ bedeutet, dass sich eine Person permanent um sich und andere sorgt, der Tag besteht zu einem Großteil nur noch aus Sorgenmachen und einer dauernden Anspannung.

All diese Krankheitsbilder sind behandelbar! Es wurden sehr effektive Therapien entwickelt, um Menschen zu helfen, wieder ein zufriedenes, angstfreieres Leben zu führen.

Angststörung

Eine Angststörung liegt vor, wenn das normalerweise sinnvolle und wichtige Gefühl der Angst, das uns auf Gefahr hinweist und uns bereit macht, die Gefahr zu bekämpfen oder ihr zu entkommen, in objektiv ungefährlichen Situationen oder ganz ohne erkennbaren Auslöser auftritt oder andauernd vorhanden ist.

Die häufigsten Formen von Angststörungen sind die Agoraphobie (Angst aus dem Haus zu gehen), die soziale Phobie (Angst vor Bewertung durch andere), Phobien vor einzelnen Situationen/Dingen (z. B. Fahrstühle, Brücken, große Höhe, Tiere, Verkehrsmittel), die Panikstörung (plötzlich einsetzende unerklärliche Angst) und die generalisierte Angststörung (unbestimmte ständige Angst).

Neben dem wahrgenommenen Gefühl von Angst oder Panik (maximale Angst) treten körperliche Symptome auf wie Herzklopfen, Schweißausbrüche, Zittern, Mundtrockenheit, Beklemmungsgefühl in Hals und/oder Brustkorb, Magen-Darm-Beschwerden. Häufige psychische Begleitsymptome sind Schwindel, Benommenheit, Schwächegefühl, Entfremdungserleben von der Umwelt oder der eigenen Person sowie Gedanken, verrückt zu werden, die Kontrolle zu verlieren oder zu sterben. Bei andauernder Angst treten chronische Muskelverspannungen und Schmerzen hinzu, ständige hohe Anspannung, Nervosität, Ruhelosigkeit, sorgenvolles Grübeln, Konzentrations- und Schlafstörungen.

Es kann sein, dass die körperlichen Angstsymptome so im Vordergrund stehen, dass die betroffene Person nur diese wahrnimmt und glaubt, an einer ausschließlich körperlichen Erkrankung zu leiden. Eine sorgfältige medizinische Diagnostik sowie eine ausführliche Befragung zu den Umständen, unter denen die Symptome auftreten, kann helfen, die Angsterkrankung zu entdecken.

Langfristige Folgen von Angsterkrankungen sind oft massive Einschränkungen in der Lebensführung aufgrund eines immer weiter um sich greifenden Vermeidungsverhaltens sowie Depressionen. Der Versuch, Angst durch Alkohol oder Beruhigungsmittel zu bekämpfen, der anfänglich funktioniert, führt nicht selten zur Entwicklung einer Abhängigkeitserkrankung.

Bei der Behandlung von Angststörungen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie bewährt, die über eine Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen, Gedanken und Gefühlen zu einem deutlichen Nachlassen der Angst führt. Bei besonders stark ausgeprägten Angstsymptomen ist eine medikamentöse Behandlung hilfreich, manchmal unerlässlich.

Das Klinikum Wahrendorff bietet Behandlung von Angsterkrankungen in allen Abteilungen der Allgemeinpsychiatrie an, ein spezifisches psychotherapeutisches Angebot wird in der Psychosomatik vorgehalten, Angsterkrankungen im höheren Lebensalter werden in der Abteilung für Gerontopsychiatrie behandelt. Die Behandlung in diesen Abteilungen ist sowohl voll- als auch teilstationär möglich.

B

Borderline-Störung

Die Borderline-Störung oder emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ nimmt eine Sonderstellung innerhalb der Persönlichkeitsstörungen ein, da die Betroffenen einerseits ein vielfältiges, oft dramatisches Symptombild mit auffälligen Verhaltensstörungen zeigen und häufig psychiatrische bzw. psychotherapeutische Hilfe suchen, nicht zuletzt im Rahmen wiederkehrender Krisen, und andererseits mittlerweile sehr gut untersuchte und effektive Therapiestrategien zur Verfügung stehen.

Die Hauptmerkmale des Krankheitsbildes sind Schwierigkeiten mit dem Alleinsein bzw. Angst vor dem Verlassenwerden, instabile intensive Beziehungen mit raschem Wechsel zwischen Idealisierung und Abwertung, unsicheres Identitätserleben, Impulsivität, Suizidalität, selbstschädigendes Verhalten, affektive Instabilität (Gefühlsachterbahn), chronisches Gefühl der Leere, unangemessene starke Wut, kurzzeitige psychotische Symptome sowie schwere dissoziative Symptome. Diese Merkmale können in unterschiedlicher Anzahl und Ausprägung vorliegen. Das Leitsymptom stellt die emotionalen Vulnerabilität dar, die dazu führt, dass die Betroffenen bereits bei geringfügigen Auslösern sehr schnell und sehr stark und sehr lange mit Gefühlen reagieren, die sie meist nur als ausgesprochen unangenehme starke innere Anspannung wahrnehmen.

Die derzeit mit am besten untersuchte spezifische Behandlung der Borderline-Störung ist die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT), eine Form der Verhaltenstherapie, die von M. Linehan entwickelt wurde. Diese Therapie verbindet ein konkretes Fertigkeiten-(Skills-)Training für die Bereiche Stresstoleranz, Achtsamkeit, zwischenmenschliche Fertigkeiten, Emotionsregulation und Selbstwert mit einer grundsätzlich validierenden (wertschätzenden) Haltung, basierend auf den von Frau Linehan postulierten Grundannahmen, dass Patienten mit einer Borderline-Störung sich wirklich Mühe geben, sich ändern wollen, noch mehr Anstrengung und Motivation an den Tag legen müssen, um sich zu ändern, zwar nicht alle ihre Schwierigkeiten selbst herbeigeführt haben, sie aber trotzdem selbst lösen müssen, bei Suizidalität ein in dieser Form unerträgliches Leben führen, in allen relevanten Lebensbereichen neue Verhaltensweisen erlernen müssen und in der Therapie nicht versagen können.

Das Klinikum Wahrendorff hält in der Klinik für Trauma- und Psychotherapie sowie in den Tageskliniken der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ein DBT-basiertes Therapieangebot für Menschen mit einer Borderline-Störung bereit.

D

Dissoziative Störung

Unser Bewusstsein setzt sich aus einem fein abgestimmten Zusammenspiel verschiedener Bestandteile zusammen: Sinneswahrnehmungen, Gedächtnis, Wissen über die eigene Identität über die Zeit bis heute, Wahrnehmung der eigenen Person und der Umwelt, Kontrolle über die Körperbewegungen. Bei einer Dissoziation liegt ein teilweiser oder völliger Verlust dieses Zusammenspiels vor. Grundsätzlich kann jeder Mensch dissoziieren, und Dissoziation hat oft eine wichtige Filter- oder Schutzfunktion. In gewissem Umfang ist dieses Erleben ganz normal, z. B. wenn man sich durch die Haare streicht, ohne es zu merken, sich in Tagträumen verliert, so hoch konzentriert liest, dass man nicht bemerkt, dass es anfängt zu regnen, oder Schmerzen bei einem schweren Unfall nicht spürt, bis man sich ich Sicherheit gebracht hat.

Eine dissoziative Störung liegt dann vor, wenn Dissoziation unkontrolliert auftritt und die Alltagsbewältigung und Lebensführung stört. Die häufigsten Symptome hierbei sind Derealisation bzw. Depersonalisation, ein Entfremdungserleben bzw. eine Wahrnehmungsveränderung von sich selbst bzw. der Umwelt. Die Kontrolle über die Motorik kann gestört sein, sowohl Erstarrung als auch unkontrollierte Bewegungen kommen vor. Die Wahrnehmung von Gefühlen kann wie abgeschaltet sein, die Wahrnehmung der Umgebung eingeengt oder ebenfalls wie abgeschaltet. Die Betroffenen leiden subjektiv unter Konzentrationsstörungen und Gedächtnislücken. Bei der dissoziativen Identitätsstörung erleben sich die Betroffenen nicht als einheitliche Person, sondern wie aufgespalten in unterschiedliche Zustände mit jeweils eigenem Denken, Fühlen und Handeln, das ihnen sonst völlig fremd erscheint oder gar nicht bewusst ist.

Dissoziative Störungen finden sich gehäuft im Rahmen von posttraumatischen Belastungsstörungen als sog. Flucht- oder Escape-Strategie, wenn sog. Trigger (Auslösereize wie Gerüche, Geräusche, Situationen, Gedanken, Gefühle, Körpersensationen) an das Trauma erinnern.

Neben einer häufig massiven Ängstigung der Betroffenen vor den Symptomen ist Dissoziation ein erhebliches Hindernis in der Therapie, weil in diesem Zustand keine neuen Lernerfahrungen gemacht werden und Therapieinhalte nicht ins Bewusstsein gelangen.

Bei der Behandlung von dissoziativen Störungen hat sich kognitive Verhaltenstherapie gut bewährt. Die Betroffenen erlangen Kontrolle über die Symptome, indem sie sich intensiv mit der Symptomatik und den auslösenden Triggern auseinandersetzen und lernen, spezielle Dissoziationsstoptechniken einzusetzen. 

In der Klinik für Trauma- und Psychotherapie sowie der Tagesklinik für Psychotherapie bietet das Klinikum Wahrendorff diese Therapiestrategien zur Behandlung von dissoziativen Störungen an.

E

Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie ist es immer, die Handlungsfähigkeit und Selbständigkeit im Alltag, in Beruf, Schule und Freizeit zu optimieren. In der Ergotherapie haben unsere Patienten die Möglichkeit, sich auch kreativ zu entfalten. Unter kompetenter, fachkundiger Anleitung unserer Ergotherapeuten können sie kleine und größere Projekte planen und auch einmal ganz neue Dinge und Techniken ausprobieren.

Essstörung

Eine Essstörung liegt vor, wenn der Vorgang und das Ausmaß des Essens nicht der Nahrungszufuhr, gesteuert durch Hunger und Sättigungsgefühl, dienen, sondern zur Regulierung von Gefühlen und / oder Körpergewicht eingesetzt werden. Häufig nimmt die gedankliche und konkrete Beschäftigung mit dem Essen einen zentralen Stellenwert bei den Betroffenen ein. Langfristig kommt es zu erheblichen Gesundheitsstörungen vielfältiger Art. Im Wesentlichen werden drei Formen von Essstörungen unterschieden, die entweder als eigenständige Erkrankung oder im Zusammenhang mit anderen psychischen Störungen auftreten können. 

Bei der Anorexie findet sich ein äußerst restriktives Essverhalten mit einer auf ein Minimum beschränkten Zufuhr von ausgewählten, meist kalorien- und fettarmen Nahrungsmitteln. Zur Gegenregulation einer möglichen Gewichtszunahme wird häufig Erbrechen, exzessiver Sport bzw. dauerhafte Bewegung, Missbrauch von Entwässerungs- und Abführmitteln oder Appetitzüglern betrieben. Das Gewicht ist meist extrem niedrig, dennoch erleben sich die Betroffenen als zu dick und unförmig und haben ein unrealistisches bis bizarres Körperbild und Körperschema. Die Krankheit kann tödlich verlaufen.
Die Bulimie ist gekennzeichnet durch Heißhungerattacken mit Verzehr großer Mengen von Nahrungsmitteln in kurzer Zeit mit nachfolgendem Erbrechen, ggf. auch anderen gegensteuernden Maßnahmen wie bei der Anorexie. Dabei kann das Gewicht irgendwo zwischen extremem Unter- und Übergewicht angesiedelt sein und schwanken. Bei der Binge-eating-Störung essen die Betroffenen in kurzer Zeit große Mengen von Nahrungsmitteln, ohne nachfolgend zu erbrechen, und sind meist übergewichtig, teils erheblich. Bei diesen Störungen wird das Essen häufig zur Gefühlsregulation eingesetzt. Neben den gesundheitlichen Folgen treten nicht selten auch finanzielle Probleme auf.

Bei der Behandlung von Essstörungen liegt ein Schwerpunkt auf einem ganz konkreten Verhaltenstraining bezüglich eines normalen und regelmäßigen Essverhaltens. Gleichzeitig werden im Rahmen von kognitiver Verhaltenstherapie Alternativen zu körperbezogenen dysfunktionalen Gedanken und zur Gefühlsregulation erarbeitet und körperpsychotherapeutisch Verzerrungen des Körbildes und –schemas korrigiert.

Das Klinikum Wahrendorff verfügt nicht über einen spezialisierten Bereich zur Behandlung von Essstörungen. In der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie werden sowohl voll- als auch teilstationär komorbide Essstörungen aller Art mitbehandelt.

K

Korsakow-Syndrom

Das Korsakow-Syndrom ist eine Gedächtsnisstörung („Amnesie“), die häufig im Rahmen chronischen Alkoholkonsums auftritt. Charakteristisch für das Korsakow-Syndrom ist vor allem eine „anterograde Amnesie“, d.h. die Unfähigkeit, sich Neues zu merken. Betroffene Menschen können neue Informationen häufig nicht einmal für wenige Sekunden speichern. Alte Erinnerungen bleiben zumeist unberührt. 
Erinnerungslücken werden von den Patienten oft entweder mit alten Gedächtnisinhalten oder mit „Konfabulationen“, Phantasieinhalten,  gefüllt.

Die Betroffenen können sich oftmals zu Zeit und Raum nicht orientieren, wissen also beispielsweise nicht, welches Datum oder welcher Wochentag gerade ist und wo sie sich befinden.

Die Ursache des Korsakow-Syndroms ist ein „Thyamin-Mangel“ (Vitamin B1-Mangel). Dieser entsteht durch die oft sehr schlechte Ernährung während längerer Alkohol-Konsumphasen. Aufgrund dieses Mangels nimmt das Gehirn Schaden, insbesondere im sogenannten „limbischen System“. Dort befindet sich auch der Hippocampus, der für die Speicherung von Gedächtnisinhalten zuständig ist.

P

Persönlichkeitsstörung

Persönlichkeitsstörungen sind gekennzeichnet durch in Kindheit oder Jugend beginnende und bis ins Erwachsenenalter andauernde tief verwurzelte starre Verhaltensmuster in unterschiedlichen Lebenslagen. Personen mit Persönlichkeitsstörungen weisen gegenüber den meisten anderen Menschen ihres Kulturkreises in vielfältigen Lebensbereichen ein einseitiges und eingeengtes Repertoire im Wahrnehmen, Denken, Fühlen, Handeln und in der Gestaltung von Beziehungen zu anderen auf. Das gesamte Spektrum von Persönlichkeitseigenschaften und Möglichkeiten des Erlebens und Verhaltens ist dabei zu Gunsten der akzentuierten Persönlichkeitsmerkmale eingeschränkt.

Es werden verschiedene Formen von Persönlichkeitsstörungen unterschieden, die als extrem ausgeprägte Varianten unterschiedlicher Persönlichkeitsstile verstanden werden. Bei einer Person können auch mehrere Persönlichkeitsstörungen gleichzeitig vorliegen.

Persönlichkeitsstil:        Persönlichkeitsstörung:
Misstrauisch-scharfsinnig        Paranoid
Zurückhaltend-einzelgängerisch        Schizoid
Ahnungsvoll-sensibel        Schizoypisch
Abenteuerlich-risikofreudig        Dissozial
Spontan-sprunghaft        Borderline
Expressiv und selbstdarstellend        Histrionisch
Ehrgeizig und sich selbst bewusst        Narzisstisch
Selbstkritisch-vorsichtig        Ängstlich vermeidend (selbstunsicher)
Anhänglich-loyal        Dependent (abhängig)
Sorgfältig-gewissenhaft        Zwanghaft
Passiv-pessimistisch        Depressiv
Kritisch-zögerlich        Negativistisch (Passiv-aggressiv)
 

Häufig gehen Persönlichkeitsstörungen mit (hohem) persönlichem Leiden und gestörter psychischer und sozialer Funktions- und Leistungsfähigkeit einher, da die Betroffenen sich immer wieder als scheiternd erleben (z. B. beruflich, partnerschaftlich), sich die immer gleichen Schwierigkeiten wie ein roter Faden durch ihr Leben ziehen und sie dies aus eigener Kraft nicht verändern können.

Menschen mit Persönlichkeitsstörungen suchen professionelle Hilfe meist aufgrund einer anderen akuten psychischen Erkrankung, die bei einzelnen Persönlichkeitsstörungen mit einem erhöhten Risiko auftreten können, z. B. Depressionen einschl. Suizidalität, Angststörungen, Suchterkrankungen.

Die Behandlung von Persönlichkeitsstörungen besteht in erster Linie in Psychotherapie, die neben einer psychoedukativen Vermittlung von Krankheitsverständnis Hilfestellung gibt, die Art zu denken, zu fühlen und zu handeln verändern zu können mit dem Ziel, künftig erfolgreicher und mit weniger Leid durchs Leben zu gehen.

Das Klinikum Wahrendorff bietet voll- und teilstationär kognitive Verhaltenstherapie auch für Menschen mit Persönlichkeitsstörungen in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Zudem gibt es ein spezifisches Angebot für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung.

Posttraumatische Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann als Folge von – selbst oder als Zeuge – als bedrohlich erlebten Ereignissen auftreten, die zu intensiven Gefühlen von Furcht, Hilflosigkeit und Entsetzen geführt haben.

Typische Symptome sind unwillkürlich einsetzende belastende Erinnerungen, Gefühle, Bilder und Träume. Sinneseindrücke, Situationen, Gedanken und Gefühle, die an das Trauma erinnern, rufen starke psychische Belastung und/oder körperliche Reaktionen hervor, was dazu führt, dass zunehmend Sicherheits-, Vermeidungs- und Fluchtstrategien angewandt werden bis hin zu einer weitgehenden Einschränkung der Lebensführung. Häufig leiden Betroffene unter starken Gefühlen von Schuld, Scham, Ekel, Angst, Hilflosigkeit und Wut. Massive Selbstwertprobleme können zu selbstzerstörerischem Verhalten führen. Symptome von Übererregung wie Schlafstörungen, Reizbarkeit, erhöhte Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit sind ständige Begleiter.

Nicht selten treten zur PTBS weitere psychische Störungen hinzu, z. B. Suchtmittelmissbrauch, Depression, Angsterkrankungen, Zwangserkrankungen, dissoziative Störungen, somatoforme Störungen, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen.

Die Behandlung besteht in Psychotherapie, die eine gedankliche und emotionale Auseinandersetzung mit dem Erlebten beinhaltet mit dem Ziel der Symptomreduktion und Bewältigung. Medikamente können bei sehr stark ausgeprägten einzelnen Symptomen unterstützend hilfreich sein.

Zur Abgrenzung von anderen Traumafolgen wie der akuten Belastungsreaktion, der Anpassungsstörung und der andauernden Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung ist eine sorgfältige Diagnostik erforderlich, um die geeigneten therapeutischen Maßnahmen einleiten zu können.

Das Klinikum Wahrendorff bietet Behandlung für Traumafolgestörungen stationär in der Klinik für Trauma- und Psychotherapie, teilstationär in der Tagesklinik für Psychotherapie sowie ambulant in der Traumaambulanz.

Psychoedukation

In der Psychoedukation klären wir ausführlich über die Art, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung auf. Sie soll helfen, die eigene Erkrankung zu verstehen und besser mit ihr umzugehen. Zudem zeigt sie vielfältige Möglichkeiten auf, wie der einzelne Patient an der Genesung mitwirken kann.

Psychosomatische Erkrankungen

Körperliche Erkrankungen sind für Betroffene häufig leichter zu akzeptieren als psychische. Dass eine Person, die sich ein Bein gebrochen hat, zu einem Arzt geht, ist selbstverständlich. Eine Person aber, die unter "unbegründeten" körperlichen Symptomen leidet, hat ja eigentlich scheinbar "nur eine Macke".

Für Patienten mit somatoformen Störungen ist es häufig ein schwieriges Unterfangen, sich damit auseinander zu setzen, dass es angeblich keine somatische Ursache für ihre Beschwerden geben soll. Typische erste Reaktionen können Gedanken sein wie "Ich habe doch keine Meise, die Schmerzen sind wirklich da!"

Tatsächlich ist natürlich eine somatoforme Störung alles andere als eine belächelnswerte Macke. Es handelt sich um eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung, bei der der Patient einen enormen Leidensdruck erfährt, dem die Scham, "nun auch noch psychisch krank zu sein", die Krone aufsetzt.

Wird der Betroffene über sein Krankheitsbild nicht ausreichend aufgeklärt, gewinnt er schnell den Eindruck, man halte seine Beschwerden für eingebildet. Dem ist allerdings keineswegs so!

Psychosomatische und somatische Schmerzen und Beschwerden fühlen sich gleich an, nur ihre Ursachen unterscheiden sich.

Da es in der europäischen Kultur üblich ist, Körper und Seele künstlich voneinander zu trennen, scheint es oft schwierig, den Menschen als Ganzes zu sehen. In anderen Kulturen, in denen eine solche Trennung nicht vollzogen wird, dürfte ein Störungsbild wie die somatoforme Störung sehr viel leichter verständlich – und für den Betroffenen weniger stigmatisierend – sein.

Tatsächlich ist die Auffassung, dass Körper und Seele untrennbar miteinander verbunden sind, ungemein wichtig für das Verständnis aller psychischen Erkrankungen. Wenn es einer Person psychisch schlecht geht, leidet auch der Körper darunter. Es ist also keineswegs eine "Macke", wenn jemand Beschwerden ohne klare somatische Ursache empfindet.

S

Somatoforme Störungen

Als „somatoforme Störungen“ werden körperliche Beschwerden bezeichnet, für die keine hinreichende körperliche Ursache gefunden werden kann. Betroffene leiden beispielsweise unter starken Schmerzen, werden nach ärztlicher Untersuchung jedoch ohne klinisch relevanten Befund entlassen. Oft führt dies dazu, dass viele Ärzte nacheinander aufgesucht werden, um irgendwann endlich eine Erklärung für die Beschwerden zu bekommen. 

Ca. 80 % aller Menschen haben in ihrem Leben einmal eine somatoforme Störung, die jedoch in den meisten Fällen von allein wieder abklingt. Häufig handelt es sich hierbei um nicht organisch bedingte Schmerzen, Magen-Darm-Leiden oder Herz-Kreislauf-Beschwerden. Bei 4 bis 20 % chronifiziert sich die Störung und führt oft zu einem langen Leidensweg für die Betroffenen. In erster Linie ist dieser Leidensweg meist deshalb so lang, weil die Diagnose „somatoforme Störung“ nicht gestellt wird und dadurch eine adäquate Behandlung ausbleibt.

Neben „unerklärlichen“ Schmerzen und anderen Beschwerden ist auch die Angst, an einer schlimmen Erkrankung zu leiden, eine somatoforme Störung. Betroffene gehen immer wieder zum Arzt, aus Angst, erkrankt zu sein. Ärztlicherseits wird jedoch eine Erkrankung nicht festgestellt.

Soziales Kompetenztraining

Das soziale Kompetenztraining (SKT) bietet Raum, sich in Situationen auszuprobieren, die bisher als schwierig oder unangenehm erlebt wurden. Es können neue Strategien geübt werden, um zukünftig mehr für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Das SKT ist sowohl für die Einzeltherapie wie für die Gruppentherapie entwickelt worden. Das Programm eignet sich für Patienten mit sozialen Defiziten, soziophobischen Ängsten, Errötungsangst, Zitterphobie, aber auch für Personen mit psychosomatischen Beschwerden oder einer leichten sekundären Depression.

Stresstoleranztraining

Im Stresstoleranztraining werden Anspannungszustände wahrgenommen und Bewältigungsmöglichkeiten aufgezeigt. Entspannungsübungen geben den Patienten wirksame Techniken an die Hand, um in Stresssituationen einen klaren Kopf zu bewahren, die Atmung zu beruhigen und den Körper entspannt zu halten.

Z

Zwangsstörung

Unter einer Zwangsstörung werden wiederkehrende Gedanken, Handlungen und Impulse zusammengefasst, die die betroffene Person gegen deren eigentlichen Willen in oft quälender Weise immer wieder beschäftigen und gegen die sich die betroffene Person meist vergeblich zur Wehr zu setzen versucht.

Zwangsgedanken können in Form von Zählzwängen, sich aufdrängenden „verbotenen“ Gedanken – oft blasphemischer oder sexueller Natur –, sowie magisch anmutenden Neutralisierungsgedanken nach „verbotenen“ Gedanken oder Impulsen auftreten. Besonders ängstigend sind Zwangsimpulse, die oft aggressive Handlungen gegen geliebte Personen oder sich selbst beinhalten. Zwangshandlungen können sich über stundenlange Rituale ausdehnen, die immer wieder von vorne begonnen werden müssen, wenn sie versehentlich unterbrochen wurden. Häufig handelt es sich um Kontrollzwänge (Türen und Fenster, Lichtschalter, Herdplatte, Wasserhahn) und Reinigungszwänge (Körperhygiene, Wäsche, Badezimmer).

Den Zwängen zugrunde liegt eine bestimmte Angst oder Befürchtung, die dem Betroffenen nicht immer vollständig bewusst ist. Versuche, Zwangsgedanken nicht zu denken oder Zwangshandlungen nicht durchzuführen bzw. abzubrechen, führen zu Angst bzw. einer deutlichen Zunahme von Angst. Die Angst lässt nach, sobald der Betroffene dem Zwang wieder nachgibt. Man kann die Zwangsstörungen durchaus als eine Untergruppe der Angststörungen ansehen.

Die effektivste Therapie der Zwangsstörung ist die kognitive Verhaltenstherapie, bei der die gezielte Konfrontation mit der Angst, die bei der Unterlassung des Zwangs auftritt, zu einem deutlichen Nachlassen dieser Angst führt, was das Auftreten der Zwänge dann deutlich reduziert.

Das Klinikum Wahrendorff bietet spezifische Psychotherapie für Zwangsstörungen in den Kliniken und Tageskliniken der Psychosomatik.