Das Fachkrankenhaus für die Seele
Druckversion
21. November 2019

Nur sprechen reicht nicht: Veränderungen müssen erfahren werden

Veröffentlicht am Dienstag, 24.06.2014
Zuletzt geändert am Donnerstag, 09.05.2019

Sehnde-Köthenwald, 24. Juni 2014 „Aus dem Tun habe ich immer am meisten mitgenommen“, begrüßte Dr. med. Michael Hettich, Chefarzt der Psychosomatik und Suchtmedizin am Klinikum Wahrendorff, an die 300 Gäste beim mittlerweile XVI. Symposium mit dem aktuellen Titel „Erlebnisbasierte Therapien bei posttraumatischen Belastungsstörungen“. Im Mittelpunkt der Weiterbildung mit informativen Fachvorträgen und Raum für fachlichen Gedankenaustausch standen Therapieverfahren, die den Patienten die Möglichkeit bieten, sich ohne Worte auszudrücken und ihren Körper und ihr Verhalten, ebenso die eigenen Emotionen, ganz konkret zu erleben.

Sehnde-Köthenwald, 24. Juni 2014
„In der modernen Traumatherapie haben sich kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze immer mehr durchgesetzt“, so Dr. Hettich. „Damit erzielen die Patienten sehr gute Erfolge.“ Dennoch stößt der Therapieansatz an seine Grenzen, wenn Patienten durch eine posttraumatische Belastungsstörung, ausgelöst z. B. durch Kriegserfahrungen, Vergewaltigung, Missbrauch, Unfall, nicht mehr in der Lage sind, bewusst Wahrzunehmen, zu Denken und zu Erkennen oder sich durch eine Art der Erstarrung nicht ausdrücken können. Oftmals fehlt auch ganz einfach die gemeinsame Sprach- und Kulturebene wie z. B. in der Migrantenmedizin. Nicht sprachbasierte Konzepte und Therapieverfahren, bei denen unmittelbares Erleben im Vordergrund steht, wurden von den Referenten praxisnah vorgestellt. Körperpsychotherapie, Musiktherapie, lebensbejahende Aktivitäten und Achtsamkeit standen dabei im Mittelpunkt.

„Oft reicht es eben nicht aus, über mögliche Veränderungen nur zu sprechen oder sich diese vorzustellen. Sie müssen erfahren werden“, so die Fachreferenten in ihrer gemeinsamen Überzeugung. Idealerweise gelingt es dann, das Erleben zu versprachlichen und in den kognitiven Therapieprozess einzubringen.

Die Behandlung von psychischen Erkrankungen und seelischen Krisen insbesondere auch bei Belastungsstörungen nach einer Traumaerfahrung, die akut ist oder auch schon lange zurück liegend und chronisch sein kann, ist ein Schwerpunkt am Klinikum Wahrendorff. Die Patienten können stationär in der Klinik, teilstationär in der Tagesklinik oder auch ambulant in einer Institutsambulanz behandelt werden. Zudem erhalten auch traumatisierte Frauen aus den Wohnbereichen des Klinikums Wahrendorff fachliche und medizinische Versorgung. Dabei arbeiten Patienten, Ärzte und Therapeuten eng zusammen. Das Betreuungs- und Beratungskonzept ist individuell, verhaltenstherapeutisch und achtsamkeitsbasiert ausgerichtet. Das Konzept der Achtsamkeit spielt in den Behandlungen eine große Rolle. Achtsamkeit ist ein Verfahren, bei dem die bewusste Aufmerksamkeitslenkung trainiert wird. Inspiriert durch den Buddhismus geht es um die Wiederherstellung eines persönlichen Gleichgewichts und eines liebevollen Umgangs mit sich selbst. Achtsamkeit kann Patienten zum einen helfen, mehr Akzeptanz sich selbst sowie ihrer Erkrankung gegenüber zu finden. Außerdem hilft achtsames Wahrnehmen von Bedürfnissen und Gefühlen, ursprünglich unwillkommene Zustände besser auszuhalten. Auch der Umgang mit unangenehm empfundenen Gefühlen (z.B. Wut, Eifersucht, Trauer) wird geübt.

„Wir werden die erlebnisbasierten Therapien, wie z.B. die Musiktherapie, fortlaufend weiter ausbauen“, so Dr. Michael Hettich. Aktives Tun beinhalte immer die Chance, neue Erfahrungen zu machen und sich auch neu kennen zu lernen. Dafür stehen schon jetzt eine Reihe von Therapieangeboten (z. B. Trommeln, Genusstraining, Kreativarbeiten und Imagination) aus den Bereichen Physio- und Bewegungstherapie, Ergotherapie, Kunst-, Arbeits-, Musik-, und Sporttherapie, zur Verfügung.

Ansprechpartner für die Redaktion

Dr. Rainer Brase
Geschäftsleitung
Rudolf-Wahrendorff-Straße 22
31319 Sehnde

 (05132) 90 – 22 01
 presse(at)wahrendorff.de

Das Traumazentrum am Klinikum Wahrendorff in Zahlen

Im Jahr 2013 wurden im Traumazentrum insgesamt über 750 Patienten behandelt. In der Traumaambulanz stellten sich 370 Patienten vor. In der Tagesklinik Gartenstraße wurden 80 Hilfesuchende mit Posttraumatischer Belastungsstörung gezählt und in der Klinik für Trauma- und Psychotherapie in Sehnde/Köthenwald 130 Patienten stationär behandelt. Auch das Angebot der multimodalen Behandlung in den einzelnen Bereichen wurde bereits gut genutzt. Die Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Familie und Gesundheit findet ebenfalls guten Zuspruch: In der Ambulanz konnten mehr als 30 Patienten nach den Richtlinien des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) behandelt werden. Aus dem Heimbereich Borgentrickstraße für Frauen mit seelischem Handicap nach Gewalterfahrung, konnten sieben von insgesamt 16 Frauen nach mehreren Monaten bis Jahren der Betreuung in eine selbstständigere Wohnform entlassen werden. Gleichzeitig wurden sieben neue Bewohnerinnen aus unterschiedlichen Regionen des Landes aufgenommen.

Das Klinikum Wahrendorff ist das Fachkrankenhaus für die Seele.

Es ist ein großer Komplettanbieter für Psychiatrieversorgung und liegt zwölf Kilometer östlich der Landeshauptstadt Hannover. Das Klinikum verfügt über 260 Krankenhausbetten und 171 teilstationäre Plätze. Im Heimbereich finden über 950 Bewohner eine individuelle und fachlich anspruchsvolle Versorgung. Mit 1.200 Mitarbeitenden ist es der größte regionale Arbeitgeber und mit über 100 Ausbildungsplätzen einer der wesentlichen Ausbildungsbetriebe. Das Klinikum Wahrendorff sichert in Niedersachsen die psychiatrische Versorgung für die östliche Region Hannover und die Stadt und den Landkreis Celle.

Pressefotos

Die Nutzung dieser redaktionellen Bilder ist unter Angabe der Quelle (Klinikum Wahrendorff) honorarfrei. Weitere Motive und Bildformate stellen wir Ihnen gern auf Anfrage zur Verfügung.

Pressemitteilung und Downloads

Typ Titel Dateigröße
Sympos.18.6._8784.jpg 1 MB
20140620XVI_symposium.pdf 158 KB