Das Fachkrankenhaus für die Seele
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21. September 2019

Wirkliche Teilhabe braucht gesellschaftliches Mitwirken

Veröffentlicht am Dienstag, 26.04.2016
Zuletzt geändert am Montag, 06.05.2019

Fachtagung im Klinikum Wahrendorff

Sehnde / Köthenwald, 26. April 2016

"Von der Langzeitunterbringung zur gelebten Differenz auf Augenhöhe" lautete der Einladungstitel der gemeinsamen Fachtagung vom Netzwerk Tagesförderstätten NDS (Niedersachsen) und dem Klinikum Wahrendorff zum Thema persönliche Lebensräume von Menschen mit Behinderungen. Der Titel war das einzig Sperrige an der Veranstaltung. Über 200 Praktiker waren der Einladung bei bestem Aprilwetter gefolgt. Das Programm war vielfältig, so wie die tägliche Arbeit der Anwesenden aus Behörden, Kliniken, Beratungsstellen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe. Im Mittelpunkt: das geplante Bundesteilhabegesetz und die notwendige Reformierung der Eingliederungshilfe.

"Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel. Raus aus der Sozialhilfe, hin zur Fürsorge und wirklichen Teilhabe", kommentierte Dr. Matthias Miersch, Mitglied des Deutschen Bundestages, in seinen einleitenden Worten das Gesetzesvorhaben. Zum 1. Januar 2017 soll das Bundesteilhabegesetz verabschiedet sein und in Kraft treten. Es stellt die Selbstbestimmung, Teilhabe und Inklusion behinderter Menschen im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention in den Mittelpunkt. "Das Bundesteilhabegesetz ist ein wichtiger Meilenstein zu einer besseren Gesellschaft", so der Jurist.

Heide Grimmelmann-Heimburg, Geschäftsführerin Klinikum Wahrendorff, und Andreas Steffens, Abteilungsleiter Tagesförderstätten, Neuerkeröder Wohnen und Betreuen, Netzwerk Tagesförderstätten NDS, postulierten als Veranstalter und aus Sicht der Träger von Einrichtungen der Eingliederungshilfe ein Ja zum Bundesteilhabegesetz. "Es bietet die Möglichkeit richtungsweisender Schritte, den einzelnen Menschen mit seiner seelischen, geistigen und/oder mehrfachen Behinderung besser wahr zu nehmen und die Sicht des Hilfebedürftigen in den Mittelpunkt zu stellen: Und das in allen Belangen des Wohnens, der Freizeit, der Tagesstruktur und der Arbeit", so Heide Grimmelmann-Heimburg. "Wir sehen allerdings auch, dass in den bisherigen Entwürfen die besonderen Belange von Menschen mit psychischer Erkrankung bzw. seelischer Behinderung bisher zu wenig berücksichtigt werden. Für die Leistungsträger der Eingliederungshilfe sind nach wie vor völlig unzureichende finanzielle Mittel vorgesehen, um den steigenden Fallzahlen, den Anforderungen der UN-Behindertenrechtskonvention und den wechselnden intensiven Bedarfen in der psychiatrischen Versorgung entsprechen zu können." Mit dem Gesetz sollen passendere Hilfen angeboten und Beratungsstrukturen weiter aufgebaut werden. "Das Gesetz schafft rechtliche Grundlagen", so Steffens. "Die langfristige Herausforderung liegt aber vor allem im gesellschaftlichen Mitwirken. Dazu brauchen wir den ersten Arbeitsmarkt und die Bereitschaft, im eigenen Umfeld zu schauen, wo unterstützt werden kann.

Durch das Bundesteilhabegesetz soll mehr Verantwortung an den Betreuten gehen. Wie aber geben die "Therapeuten" die richtigen Fähigkeiten an die Hand? Prof. Dr. Joachim Kutscher, Diplom-Psychologe, verdeutlichte in seinem Vortrag den Zusammenhang von Emotion, Dialog und Kommunikation, Bindung und Sicherheit sowie von Bedürfnis, Motiv, Sinn und Bedeutung. Inklusion benötigt lebendigen Austausch. "Entwicklung findet bei jedem Menschen durch Lernen statt", so Kutscher. "Wenn wir von einem anderen Menschen lernen sollen, dann müssen wir unsere Sinne darauf ausrichten und wir müssen es gerne tun."

Lebenslanges Lernen und Zielvereinbarungen bilden wesentliche Schritte in der persönlichen Entwicklung. Kutscher machte auch deutlich, dass die professionelle Begleitung von Menschen, die auf der sozial-emotionalen Ebene beeinträchtigt sind, äußerst komplex ist und Qualifikation erfordert, die über das, was in der Regel als Förderung bezeichnet wird, weit hinausreicht.

Beispiele dafür gab es auf der Tagung in aller Vielfalt. Sei es von der gemeinsamen Sprache von Patienten, Angehörigen und Therapeuten und einer damit verbundenen Kommunikations- und Handlungskultur auf gleicher Augenhöhe, ganz neuen Wegen zur Integration junger Erwachsener, der Bedeutung der Sporttherapie und beispielhafte positive Verläufe bei schwersten chronischen psychischen Erkrankungen.

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