Das Fachkrankenhaus für die Seele
Druckversion
21. September 2019

Hohes Engagement aller Beteiligten für Flüchtlingsfamilien

Veröffentlicht am Donnerstag, 19.11.2015
Zuletzt geändert am Donnerstag, 09.05.2019

Großer Besuch im Klinikum Wahrendorff

Sehnde, 19. November 2015

Am 29. September stellte das Klinikum Wahrendorff sich als Erstunterkunft freiwillig zur Verfügung und 114 Flüchtlinge kamen im DorffGemeinschaftshaus (DoG) und dem benachbarten Landarbeiterhaus unter. Das Klinikum Wahrendorff titulierte das Ankommen der Flüchtlinge als "Großen Besuch" und bekam von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Nachbarn, Schülern und weiteren ehrenamtlichen Helfern große Unterstützung in der Betreuung der Familien. 

" Als Einrichtung, die sich um die seelische Gesundheit von Menschen kümmert, war es uns wichtig, gerade den Menschen, die traumatisierende Erfahrungen hinter sich haben, einen guten Ort, für ein erstes Ankommen anzubieten", so Dr. Rainer Brase, Geschäftsführer des Klinikum Wahrendorff. "Die teamorientierte Zusammenarbeit von so vielen engagierten Menschen, hat trotz der beengten Situation, für eine gute Stimmung vor Ort gesorgt. Und die gesamte Geschäftsführung ist mächtig stolz auf das überdurchschnittliche Engagement der Mitarbeiter und dankbar dafür."

Der "Große Besuch" besteht überwiegend aus Familien. Die meisten kommen aus Syrien, Afghanistan, den kurdischen Gebieten Syriens und des Irak und einige Familien aus Serbien und Albanien. Die Menschen sind im Klinikum Wahrendorff als Erstaufnahmestelle nur vorübergehend untergebracht, um von hier einen Umzug in die Wohnsitze vor Ort vorzunehmen. Mit Stand vom 19. November sind noch 63 Personen vor Ort. Die anderen Gäste konnten zum Teil bereits im Zuge der Familienzusammenführung zu Angehörigen ziehen oder wurden von der Kommune bereits in einzelnen Wohnungen untergebracht. Für die weiteren Personen sollen bis zum Jahresende passende Unterkünfte in Sehnde gefunden werden. 

"Die Zusammenarbeit aller Beteiligten lief hervorragend", so Lisa Buntefuß, Koordinatorin des "Großen Besuchs" im Klinikum Wahrendorff. Zu organisieren waren zunächst die praktischen Abläufe vor Ort, von der Essensausgabe über die Wäscheausgabe bis zur Bereitstellung von genügend Trinkwasser. Darüber hinaus wurde aber sehr zeitnah noch viel mehr geleistet. Es gab Ansprechpartner für Sorgen und Probleme, nötige Arzttermine und Transporte mussten koordiniert werden und die Spendenaktionen für witterungsangepasste Kleidung und Spielsachen wurden ebenfalls gut begleitet.

Das Klinikum Wahrendorff hat einen Wachdienst beauftragt, der rund um die Uhr anwesend ist und vor Ort in allen Belangen unterstützt. Verköstigt wird der "Große Besuch" von der Dorff-Küche, die die religiösen und ethnischen Speiseregeln beachtet. "In unserem Klinikum verfügen wir über ein großes Potenzial an mehrsprachigen Mitarbeitern und über eine hohe Kulturkompetenz, zusätzlich haben wir einen Dolmetscher für Arabisch und Afghanisch eingestellt, der ebenfalls über Sprachbarrieren hinweg hilft",  beschreibt Dr. Brase die Maßnahmen der letzten Wochen und zeigt sich in einem Pressegespräch insbesondere beeindruckt über die vielen kreativen Maßnahmen vor Ort und dem engagierten Miteinander. 

 Die kreativen Maßnahmen in einer Übersicht:

  • Der Sozialdienst und die ambulanten Dienste halten über die gesamten Wochen Aktionen für Kinder, z. B. spielerische Verkehrserziehung und weitere niederschwellige Angebote vor. Insbesondere das Interesse an Deutschkursen ist sehr groß. Kinder, Frauen und Männer lernen gemeinsam: "Wer sind wir?", "Wo kommen wir her?", Wie heißen die Uhr- und die Jahreszeiten?", "Wie heißen die Teile meines Körpers?", "Wie und was kaufe ich ein", "Wie komme ich nach Hannover?"
     
  • Auszubildende und Lehrkräfte der Alten- und Heilerziehungspflege des Klinikum Wahrendorff und der Akademie für Pflege und Soziales als Schulträger planen, organisieren und führen im Rahmen des Lehrgebietes Beschäftigungsangebote / Freizeitgestaltung / transkulturelle Pflege regelhaft Veranstaltungen durch. Dazu gehören Spielangebote für Kinder jeden Alters, die zeitgleich Sprachförderung Deutsch und Integration ermöglichen. Zur Auswahl stehen eine Sportspielgruppe indoor / outdoor, Tischspiele und Stehspiele. 
     
  • Der Betriebsrat bietet ebenfalls Aktivitäten zum Lernen der deutschen Sprache an.
     
  • Weitere arabisch sprechende Mitarbeiter engagieren sich in der Sprachvermittlung.
     
  • Heimleitungen des Klinikum Wahrendorff zeigen Filme auf Deutsch / Arabisch und setzen Bildwörterbücher ein. Zudem bewirbt man sich zur Teilnahme an einem Bowlingabend in Hannover, der vom Verein Business for Kids e. V. angeboten wird. Die Bewerbung hat Erfolg und die Kinder verbringen jeweils mit einem Elternteil einen Abend mit Spaß beim Bowling. Und die Maßnahmen werden durch zusätzliche externe Aktivitäten erweitert
     
  • Im Rahmen des Profilfachs "Menschen brauchen Menschen" engagieren  sich zwei Gruppen des 9. Jahrgangs der KGS Sehnde mit Programmen vor Ort.
     
  • Das Reitergut Köthenwald kommt mit zwei Ponys auf das Gelände und bringt damit viel Freude zu den Kindern.
     
  • Die Kirchengemeinde Sehnde bietet ein regelhaftes Deutsch-Café.

Im Klinikum Wahrendorff gibt es bereits seit 2009 ein Zentrum für Transkulturelle Psychiatrie und Psychotherapie. Dort stehen die Themen Zuwanderung, Integration, das gemeinsame Leben in einer kulturell und religiös vielfältigen Gesellschaft sowie die seelische Gesundheit im Mittelpunkt der Arbeit. 

 "Wir entwickeln fortlaufend neue Versorgungskonzepte und kommunizieren direkt mit den bei uns Hilfesuchenden", so Dr. Brase. "Dabei ist unser Qualitätsgedanke getragen von der Kernaussage 'messbar mehr'." So auch in der Behandlung von Menschen aus fremden Kulturen. Denn diese ist vielschichtig und nicht immer einfach. Kultur hat Einfluss auf die seelische Gesundheit. Man braucht eine verständliche Kommunikationsebene, Zugang zu den verschiedenen Kulturen, Wissen um die häufigen Entwurzelungen und die traumatischen Erlebnisse in den Herkunftsländern, um den psychisch kranken Menschen in seiner ganzen Individualität zu begreifen. 

"Wir sind daher gerne Gastgeber und arbeiten aktiv an einer Willkommenskultur mit. Zugleich können wir so unser Verständnis für die seelischen Verletzungen der Flüchtlinge vertiefen und das hilft uns, messbar besser zu werden", so Dr. Brase abschließend.