Das Fachkrankenhaus für die Seele
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21. September 2019

Eröffnung der Psychiatrisch-Psychosomatischen Klinik Celle

Veröffentlicht am Montag, 17.08.2015
Zuletzt geändert am Donnerstag, 09.05.2019

Krankenhaus für die Seele bietet rund um die Uhr Betreuung Mit über 400 angemeldeten Gästen fand die feierliche Einweihung der neuen Psychiatrisch-Psychosomatischen Klinik in Celle am 14. August 2015 statt. Die Grußworte von Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Klaus Wiswe, Landrat für den Landkreis Celle, und Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende betonten die Bedeutung der neuen Klinik für die regionale Gesundheitslandschaft.

[Celle, 14.08.2015] In einer Tagesklinik mit 30 Plätzen und zwei Stationen mit je 24 Betten kümmern sich 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um die Genesung und das Wohlergehen der Patienten mit psychiatrischer sowie psychosomatischer Diagnose. Das Land, vertreten durch Ministerin Rundt, hat in den Neubau Fördermittel in Höhe von 9,3 Millionen Euro investiert. "Das Geld ist sehr gut angelegt", so Ministerin Cornelia Rundt. "Die Patientinnen und Patienten dürfen sich auf eine vorbildliche Versorgung freuen."

Im Treppenhaus begleiteten jazzige Klänge des Christian von der Osten Trios die Besucher in das noch nicht ausgebaute Obergeschoß der neuen Klinik, wo Dr. Matthias Willkening, Geschäftsführung Klinikum Wahrendorff, die Gäste herzlich begrüßte und auf die Innovationsbereitschaft des Klinikum Wahrendorff, zu dem die Klinik Celle gehört, hinwies.

"Wir reden gern von dem etwas sperrigen Begriff Inklusion", sagte die Ministerin. "Der zentral gelegene moderne und offene Bau macht deutlich, dass Psychiatrie auch zur Stadt und zum Stadtbild gehört." Das sei gerade in einem Flächenland wie Niedersachsen wichtig, in dem die psychiatrische und psychosomatische Versorgung der Patienten noch nicht überall zufriedenstellend gewährleistet sei. "Ein Ausbau ist in Niedersachsen dringend erforderlich."

Landrat Wiswe, der auch als Vorsitzender des Aufsichtsrats des AKH Celle sprach, freute sich anlässlich der Eröffnung erneut über den damaligen gemeinsamen Entschluss von AKH, dem Landkreis als dem Verantwortlichen für die sozialpsychiatrische Versorgung und dem Klinikum Wahrendorff, "stadtnah zu bleiben und verknüpfte Versorgung zu bieten". Auch die Unterbringung der Tagesklinik unter demselben Dach wie die vollstationären Versorgungsbereiche begrüßte der Landrat sehr.

Mit der Eröffnung der Psychiatrisch-Psychosomatischen Klinik Celle wird die regionale Nahversorgung für Stadt und Landkreis Celle gewährleistet "wie das vor 40 Jahren erstmals eine Enquete-Kommission in ihrem 'Bericht über die Lage zur Psychiatrie in Deutschland' gefordert hatte, "die die Gleichstellung von somatischen und psychiatrischen Erkrankungen sowie die wohnortnahe Versorgung" empfahl, wie Celle Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende hervor hob.

Dr. Rainer Brase, Geschäftsführer des Klinikum Wahrendorff, betonte: 

"Nach einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts leidet ein Drittel der Bevölkerung innerhalb eines Jahres unter psychischen Störungen, vorrangig Angststörungen, Alkoholprobleme, Depressionen. Für die Stadt Celle wären dies allein rund 23.000 Menschen, für den Landkreis 60.000. Auswertungen von Krankenkassen zeigen, dass die Häufigkeit von Behandlungen, Krankenstand und Frühberentung aufgrund von psychischen Erkrankungen von Jahr zu Jahr zunimmt. Nun - glücklicherweise benötigen nicht alle diese Menschen die Behandlung eines Fachkrankenhauses, dann hätten wir nämlich deutlich zu klein gebaut!"

Heute werden seelische Erkrankungen verschiedener Ausprägung oftmals noch nicht ausreichend behandelt oder diagnostiziert. Damit lösen psychische Erkrankungen als Grund für einen Klinikaufenthalt die bisher hauptsächlich verantwortlichen Herz- und Kreislauferkrankungen ab. Weiter führte Brase aus: "Experten rechnen jedoch damit, dass psychische Erkrankungen bis zum Jahr 2030 zusammen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden zu den häufigsten Erkrankungen in industrialisierten Ländern werden könnten. Daher sind wir grundsätzlich darauf eingerichtet, unsere Kapazitäten noch zu erweitern." Hier füllt die neue Klinik in Celle vor Ort eine Versorgungslücke.

Nach dem musikalischen Abschluss des Festaktes durch Solisten des Johann-Strauß-Orchesters erhielten die Gäste einen drei Meter langen Zollstock mit dem Bild der neuen Klinik. "Dieser Zollstock steht für "messbar mehr!", wie Dr. Brase erklärte. "Wir stehen für messbar mehr 

Leistung, messbar verbesserte Konzepte, erfolgreichere Behandlung, nachhaltigere Patientenstabilisierung und messbar bessere Ausbildung", wie der Geschäftsführer ausführte. Messbar deshalb, weil im Zuge eines umfassenden Qualitätsmanagements und der hauseigenen Forschungsabteilung sowie der kontinuierlichen Patientenzufriedenheitsbefragung systematisch und regelmäßig Daten erhoben und ausgewertet werden. Diese Qualität wird auch in der Psychiatrisch-Psychosomatischen Klinik Celle umgesetzt.
 

Zitate aus den Grußworten

Ministerin Cornelia Rundt, Niedersächsisches Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung:

 "Gesundheit ist für die Landesregierung keine Ware und Patienten sind keine Kunden, sondern Hilfesuchende.

Es geht nicht nur um nackte Zahlen, sondern darum, das Vertrauen in eine leistungsfähige, flächendeckende und wohnortnahe medizinische Versorgung zu erhalten, zu stärken, teilweise sogar neu zu schaffen."

"Der kontinuierliche Ausbau von ambulanten, teilstationären und stationären Behandlungsangeboten in Niedersachsen hat zu einer deutlichen Verbesserung in der Behandlung und Betreuung von psychisch Kranken geführt. Es bleibt aber auch künftig viel zu tun, denn der Behandlung psychischer wie auch psychosomatischer Erkrankungen kommt eine immer höhere Bedeutung zu."

"Der Grat zwischen dem so genannten normalen Leben und dem einer psychiatrischen Erkrankung ist sehr schmal. Wie schnell kann es jedem von uns passieren, dass wir durch einen Schicksalsschlag, der immer und überall täglich passieren kann, selbst Hilfe brauchen. Der Weg zurück in die von uns oft so bezeichnete Realität ist sehr beschwerlich und erfordert von Patientinnen und Patienten, Angehörigen und Therapeuten alle erdenkliche Kraft. Denjenigen, die diese Kraft täglich aufbringen - demnächst auch in dieser modernen Klinik - gebührt meine höchste Anerkennung."


Landrat Klaus Wiswe, Landkreis Celle:

"Ich bin froh darüber, dass wir jetzt wohnortnah jederzeit und in jeder Weise für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen da sein können."


Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende, Stadt Celle:

"Wohnortnahe Versorgung in der Psychiatrie hat - neben den kurzen Wegen - weitere Vorteile. So bleibt den Patientinnen und Patienten auch ihr persönliches und räumliches Umfeld erhalten, was sich sicherlich positiv auf den Therapie-Erfolg auswirkt."

"Die Stadt Celle freut sich über diese neuen Angebote und ganz besonders darüber, dass der starke Partner für die psychiatrische Versorgung näher an unsere Seite gerückt ist. Es ist für alle eine große Hilfe, dass die bislang recht aufwändige Fahrt zum Klinikum künftig nicht mehr notwendig ist."

Geschäftsführer Dr. Brase:

"Leider sterben noch immer rund 10.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland durch Selbstmord, viele davon aufgrund psychischer Krankheit oder akuter Krisen. Wenn wir - das Klinikum Wahrendorff - als spezialisiertes Fachkrankenhaus für seelische Krankheiten mit unserem neuen Standort einen Beitrag leisten können, hier schneller und unkomplizierter Hilfe zu leisten, dann können wir vielleicht sogar das eine oder andere Leben retten. Das würde uns sehr freuen!"

"Mit unserem Neubau schaffen wir gemeinsam mit dem Land Niedersachsen neue Behandlungsmöglichkeiten für Menschen in seelischen Krisen und bei seelischen Krankheiten in der Stadt und dem Landkreis Celle. Wir freuen uns sehr, heute diesen vom Land mit 9,3 Mio. Euro geförderten Neubau in Betrieb zu nehmen. 2,7 Mio. Euro haben wir als Klinikum Wahrendorff als Eigenmittel bereits aufgebracht. Weitere 4 Mio. Euro werden wir in den Ausbau dieser dritten, heute noch leeren Etage investieren. Mit der Fördersumme des Landes und unseren Eigenmitteln konnten wir bis heute den Bau unterhalb dieser Betondecke erstellen. Unser großer Dank geht daher an das Land Niedersachsen für diese großzügige Förderung. Damit geht das neue Plankrankenhaus mit 32 psychiatrischen, 8 psychosomatischen Betten und 30 tagesklinischen Plätzen nächste Woche vollständig in Betrieb."

"Wir schaffen mit unserem neuen Standort in Celle rund 75 neue Arbeitsplätze. Wir sind innerhalb der geplanten Baukosten geblieben und sogar einen Monat vor geplantem Ende der Baumaßnahmen fertig geworden."

Architekt Torsten Petroschka, Geschäftsführender Gesellschafter sander. hofrichter architekten GmbH, Gesellschaft für Architektur und Generalplanung:

"Das neue Fachkrankenhaus für die Seele war eine besondere Bauaufgabe, da ein psychiatrisches Krankenhaus und eine Tagesklinik in einem Neubau unter einem Dach vereint werden sollten. Mit dem Entwurf ist es gelungen, das Gebäude nach außen als bauliche Einheit zu präsentieren und gleichzeitig im Inneren funktional klar zu gliedern."

"Der Neubau ist die optimale Lösung für die Aufgabenstellung an diesem speziellen Ort. Ziel unseres Büros war es, dass sich das Gebäude trotz seiner Größe behutsam der Umgebung anpasst. Das Krankenhaus ist heute von viel Grün umgeben, auch weil bewusst nicht direkt bis an die Grundstücksgrenze gebaut wurde. Gleichzeitig haben wir die Höhenentwicklung der benachbarten Gebäude aufgenommen und bei der Fassadengestaltung Wert auf die Verwendung von regionalem Klinker gelegt. So konnte aus vielen Einzelmaßnahmen auch städtebaulich ein harmonisches Ganzes entwickelt werden."

"Mehr noch als in einem Akutkrankenhaus ist die Umgebung für Patienten eines psychiatrischen Krankenhauses von Bedeutung. Sander Hofrichter Architekten war es daher besonders wichtig, ein Haus mit viel Licht, Farbe, Grünflächen und einem geschützten Innenhof zu verwirklichen, damit Patienten die bestmögliche Erholung finden können."
 

Das Klinikum Wahrendorff ist das Fachkrankenhaus für die Seele.

Es ist ein großer Komplettanbieter für Psychiatrieversorgung und liegt zwölf Kilometer östlich der Landeshauptstadt Hannover. Das Klinikum verfügt über 260 Krankenhausbetten und 200 teilstationäre Plätze. Im Heimbereich finden über 950 Bewohner eine individuelle und fachlich anspruchsvolle Versorgung. Mit 1.200 Mitarbeitenden ist es der größte regionale Arbeitgeber und mit über 100 Ausbildungsplätzen einer der wesentlichen Ausbildungsbetriebe. Das Klinikum Wahrendorff sichert in Niedersachsen die psychiatrische Versorgung für die östliche Region Hannover und die Stadt und den Landkreis Celle.
 

Daten - Fakten - Zahlen

Planungs- und Bauzeit
2011 - 2015

Fläche
Grundstücksfläche: 4.331 qm
Bebaute Fläche: 1.829 qm

Kenndaten
Bruttorauminhalt (BRI): 24.643 m³

Stationärer Bereich
48 Krankenhausplanbetten 

Teilstationärer Bereich
30 tagesklinische Plätze

Kosten
16 Millionen Euro
 9 Millionen Euro Förderung durch das Land Niedersachen
 7 Millionen Euro Eigenmittel Klinikum Wahrendorff
 

Projektbeschreibung

Das viergeschossige Gebäude gliedert sich in Tagesklinik und Pflegebereiche, die über eine zentrale Eingangshalle verbunden sind. Durch die abgerundete Form und die vorgelagerten Grünzonen tritt der Bau von der südlichen Straßenkante zurück und bildet einen attraktiven Vorplatz. Gleichzeitig nimmt er die Höhenentwicklung zu den Nachbargebäuden an.

Im Erdgeschoß ist eine bedarfsweise geschützte Station, die Aufnahme der Tagesklinik sowie die Verwaltungsbereiche untergebracht. In den darüber liegenden Geschossen befinden sich die Therapieflächen der Tagesklinik sowie je eine Pflegestation. Das Sockelgeschoß beheimatet die Therapie- und Sekundärflächen für die Pflegebereiche. Die Zimmer in dem barrierefreien Neu­bau sind entlang der Südfassade und zu einem im Innenhof liegenden Patienten­garten hin orientiert. In jeder Station bilden die Aufenthaltsräume für Patienten und der gegenüberliegende Stützpunkt ein eigenes Kommunikations­zentrum. Das Obergeschoss enthält Erweiterungsflächen.

Der Neubau besteht aus zwei Baukörpern, welche über Flure miteinander verbunden sind. Die Hauptfassade ist bis zur Ebene 1 verklinkert, das oberste Geschoss hebt sich mit einer Wärmedämmputzfassade von der restlichen 

Fassade ab. Mit der Klinkerfassade wird die regionale Materialität aufgenommen und der Bezug zum historischen Pflegewohnheim gegenüber hergestellt. Die zweigeschossige Eingangshalle dient Gästen und Bewohnern als großzügiger Aufenthaltsbereich. Zur Unterstützung der Orientierung soll ein Farb- und Themenleitsystem dienen, welches die Gliederung in verschiedene Funktionsbereiche unterstützt und gleichzeitig als individuelles Gestaltungsmittel jeder Station eingesetzt wird.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter:  www.neubau-celle.de

Pressefotos zum Download

Die Nutzung dieser redaktionellen Bilder ist unter Angabe der Quelle (Klinikum Wahrendorff) honorarfrei. Weitere Motive und Bildformate stellen wir Ihnen gern auf Anfrage zur Verfügung.