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25. Juni 2021
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Frühzeitige Therapie bei der Alzheimer-Erkrankung

Veröffentlicht am Dienstag, 11.05.2021
Zuletzt geändert am Dienstag, 11.05.2021

Neues und seltenes Behandlungszentrum am Klinikum Wahrendorff

Prof. Dr. Marc Ziegenbein, Ärztlicher Direktor und Chefarzt (li.) und Oliver Rosenthal, Leitender Arzt, demonstrieren konzentriert die sichere und schmerzfreie neue Behandlungsmöglichkeit (Foto: Klinikum Wahrendorff/Michael Wallmüller)

Alle drei Sekunden erkrankt jemand irgendwo auf der Welt an Alzheimer. Bis 2050 sind voraussichtlich mehr als 152 Millionen Menschen weltweit von dieser Krankheit betroffen. Alzheimer schädigt unter anderem die Nervenzellverbindungen im Gehirn und verhindert so die Nachrichtenübermittlung zwischen den Zellen. Zunächst führt dies zu einem Gedächtnisverlust, später sind wichtige Körperfunktionen betroffen. Leider ist Alzheimer derzeit nicht heilbar, eine Behandlung der Symptome ist aber möglich.

Das Klinikum Wahrendorff setzt dafür auf die ambulante physikalische Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) und hat Anfang Mai 2021 ein neues modernes Behandlungszentrum zur Förderung bzw. Aufrechterhaltung der geistigen Fähigkeiten von Menschen mit Alzheimer eröffnet. Derzeit gibt es europaweit nur neun solcher Behandlungszentren. „In unserer Klinik werden viele Patientinnen und Patienten mit schweren Verläufen der Alzheimer-Erkrankung stationär eingewiesen, denen eine so frühzeitige ambulante Therapie bisher nicht zur Verfügung stand. Das wollen wir ändern“, so Oliver Rosenthal, Leitender Arzt der Abteilung Seelische Gesundheit im Alter im Klinikum Wahrendorff.

Die TPS® ist eine sichere, unkomplizierte und vor allem schmerzfreie Behandlungsmöglichkeit für Menschen, die an einer leichtgradigen oder mittelschweren Form der Alzheimer-Erkrankung leiden. Außerhalb des Körpers erzeugte Schallpulse werden gezielt in die zu behandelnden Gehirnregionen eingeleitet. „Bei der TPS®-Therapie werden Wachstumsfaktoren freigesetzt. Dadurch kommt es zu einer Verbesserung der Gehirndurchblutung, zur Bildung neuer Gefäße und zur Nervenregeneration. Die Behandlung unterstützt darüber hinaus auch die Ausschüttung von Stickoxid und die Stimulation des sog. BDNF, einem Protein, das vorhandene Nerven und Synapsen schützt“, beschreibt Oliver Rosenthal, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das Verfahren.

Die Transkranielle Pulsstimulation (TPS®) erfolgt ambulant, so dass Patientinnen und Patienten zur Behandlung in die Klinik kommen und anschließend ihren normalen Tagesablauf fortführen können. Der Patient sitzt dabei entspannt in einem Behandlungsstuhl und kann sich jederzeit frei bewegen. Bevor die eigentliche Behandlung beginnt, speist der Arzt die Patientendaten in das Therapiesystem ein und trägt Ultraschallgel auf die Kopfhaut bzw. Haare auf. Eine Rasur des Kopfes ist nicht notwendig. Das Ultraschallgel wird benötigt, um eine optimale Übertragung der Pulse zu gewährleisten. Anschließend setzt der Patient eine Brille zur Positionserkennung des Kopfes auf. Während der Behandlung bewegt der Therapeut das Handstück an den entsprechenden Stellen sanft über die Kopfhaut und Schädeldecke. Auf einem Bildschirm sehen Arzt und Patient genau, welcher Bereich des Gehirns gerade erreicht wird. Eine Therapie-Sitzung dauert in der Regel etwa 30 Minuten. Insgesamt umfasst eine TPS®-Behandlungsserie durchschnittlich sechs Sitzungen, die innerhalb von ein bis zwei Wochen stattfinden.

Zentraler Bestandteil des Behandlungszentrums ist das System NEUROLITH® der STORZ MEDICAL AG aus der Schweiz, spezialisiert auf Stoßwellentechnologie und mit viel Erfahrung im Einsatz von Stoßwellen in den Bereichen Orthopädie, Urologie, Kardiologie und der Neurologie. Bereits Mitte der 1990er Jahre begann STORZ MEDICAL damit, Stoßwellen bei peripheren neurologischen Erkrankungen und ab 2014 bei Alzheimer Erkrankungen einzusetzen. Die TPS® bietet eine neue Behandlungsmöglichkeit und erhielt mit dem System NEUROLITH® als erstes und bisher einziges Verfahren seiner Art die Zulassung für die „Behandlung des Zentralnervensystems von Patienten mit Alzheimer-Erkrankung“. Die Zulassung erfolgte auf Basis von klinischen Daten, die Verbesserungen der kognitiven Leistungen und der Gemütslage zeigten.

Niedergelassene Hausärzte, neurologische und psychiatrische Fachkollegen können sich zur Abstimmung einer möglichen ambulanten Behandlung ihrer Patienten gerne an das Klinikum Wahrendorff wenden. Kontaktdaten: Oliver Rosenthal, Telefon 05132 90 2516 oder E-Mail: rosenthal(at)wahrendorff.de


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