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10. Dezember 2019

70. Treffen der Niedersächsischen Drogenentzugsstationen im Klinikum Wahrendorff

Veröffentlicht am Donnerstag, 14.11.2019
Zuletzt geändert am Donnerstag, 14.11.2019

Riskanter kombinierter Drogenkonsum nimmt zu

Gaben aktuelle Übersichten zur Arbeit auf den Drogenentzugsstationen in Niedersachsen (v.li.n.re.): Dr. Roman Zakhalev, Lena Staff und Tobias Scholl (Foto: Klinikum Wahrendorff/Martin_Bargiel)

Es war ein Jubiläumstreffen: Zum 70. Mal kamen die Niedersächsischen Drogenentzugsstationen zusammen, um sich fachlich auszutauschen. Aktuell finden jedes Jahr zwei Tagungen an wechselnden Orten statt. Zur diesjährigen Herbst- und Jubiläumstagung hatte das Klinikum Wahrendorff geladen. 44 Gäste waren der Einladung aus den verschiedenen Suchtstationen des Bundeslandes gefolgt. Eine Teilnehmerin konnte noch aktiv von der Gründungssitzung berichten.

Oberarzt Dr. Roman Zakhalev hatte gemeinsam mit dem Team der Klinik im Park I in das Klinikum Wahrendorff eingeladen und berichtete in seinem Vortrag über die Veränderungen, die in den letzten 20 Jahren stattgefunden haben. „Der riskante kombinierte Drogenkonsum nimmt zu. Dieser vielfältige Mischkonsum ist nicht mehr die Ausnahme“, zeigte Dr. Zakhalev auf. „Und die Konsumenten wissen immer weniger, was sie genau geraucht, gespritzt, geschluckt oder durch die Nase gezogen haben.“ Synthetisch hergestellte Designer-Drogen, sogenannte Legal Highs, werden wahllos aus dem Internet bezogen. Angeblich reine Kräutermischungen, vorgebliche Badesalze enthalten hochwirksame Rauschgifte, die tödlich sein können.

Auf den Treffen besteht immer hoher Diskussionsbedarf. Ein Austausch zwischen den Stationen gehört fest in das Programm (Foto: Klinikum Wahrendorff/Martin_Bargiel)

Für die Mediziner ist dieser Mischkonsum von verschiedenen psychotropen Substanzen ein großes Problem. Diese können pflanzliche, synthetische oder halbsynthetische Stoffe sein, die über die Zentralnerven Einfluss auf die Psyche des Menschen nehmen. Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Handeln verändern sich. Zu diesen Substanzen zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht nur illegale Drogen wie Spice, Cristal Meth oder Ecstasy, sondern auch sogenannte „legale Stoffe“ wie Alkohol, Tabak und Koffein. Medikamente, wie z.B. Beruhigungs- und Schlafmittel, sind von der WHO hier ebenfalls klassifiziert. Abhängigkeit von Medikamenten ist ein zunehmendes Problem. Kommt es zum Konsum von mindestens drei psychotropen Substanzen besteht eine Polytoxikomanie. „Sehr häufig kommt es zu einem Chaos-Konsum“, berichtet Dr. Zakhalev aus klinischer Erfahrung. Kokain und Alkohol, Ecstasy oder LSD führen zum Kontrollverlust bis hin zum Kollaps, der direkt auf die Intensivstation führt. Heroin, Alkohol und Benzodiazepine verstärken die einzelnen Wirkungen. Es besteht die Gefahr einer Überdosierung, Atemlähmung, eines Kreislaufversagens und Komas.

Lena Staff, Psychologin im Klinikum Wahrendorff zeigte in einem Folgebeitrag mögliche Behandlungsangebote bei multipler Substanzabhängigkeit ohne Opiatschwerpunkt, also losgelöst von der bekannten Behandlung mit Methadon. Als Gastreferent informierte Tobias Scholl, Head of Innovations in Toxicology, Location Manager bei ESA-Test, über die aktuellen diagnostischen Möglichkeiten von Rauschgiftsubstanztests, die in Minutenschnelle Kokain, Opiate, Amphetamine, LSD und Cannabisprodukte; aber auch diverse andere Substanzen sichtbar machen. Für die klinisch Mitarbeitenden ist das ein wichtiger diagnostischer Hinweis.


Pressemitteilung und Downloads

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