Das Fachkrankenhaus für die Seele
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12. November 2019

Frauen sind anders, Männer aber auch! Geschlechtsspezifische Suchtarbeit!

Veröffentlicht am Freitag, 19.09.2014
Zuletzt geändert am Donnerstag, 09.05.2019

„Es gibt neurobiologische Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Sucht ist eine Stresserkrankung und Frauen und Männer gehen mit Stress anders um. Jeder Mensch braucht eine eigene Therapie“, begrüßte Dr. med. Roman Zakhalev, Oberarzt der Fachabteilung Suchtmedizin am Klinikum Wahrendorff, an die 300 Gäste beim mittlerweile XIII. Symposium mit dem aktuellen Titel „Frauen sind anders, Männer aber auch! Geschlechtsspezifische Suchtarbeit“. Im Mittelpunkt der Tagung standen individuelle, integrative und geschlechtsspezifische Konzepte für die Behandlung von Patienten mit einer Suchterkrankung.

Sehnde-Köthenwald, 19. September 2014

„Es gibt keine Schablone für die Arbeit mit suchterkrankten Menschen. Wir müssen soziale, kulturelle und genderspezifische Aspekte bei der therapeutischen Arbeit mit berücksichtigen. Zudem unterscheiden sich Verläufe  von Suchterkrankungen bei Frauen und Männern“, betont Dr. Zakhalev. 
Deshalb ist es wichtig, unterschiedliche Behandlungskonzepte für Frauen und Männer mit einer Suchterkrankung vorzuhalten. „Allein für die Entstehung einer Suchterkrankung gibt es ein komplexes Modell, welches viele verschiedene Faktoren berücksichtigt. Somit ist es notwendig, dass wir in der Suchtarbeit auch individuell angepasste und genderspezifische Hilfen vorhalten.“ 
Im Rahmen der Tagung wurden von den Referenten Ursachen für eine Suchterkrankung bei Frauen und Männern, Unterschiede, Motive und Strategien zur Selbstfürsorge statt Selbstmedikation vorgestellt.  Auch die Rückfallanalyse der Station Klinik im Park I des Klinikum Wahrendorff wurde als neues Konzept zur Bewältigung eines Rückfalls erläutert.
„Gender muss überall eine Rolle spielen. Ziele in der Suchtarbeit bei Männern und Frauen müssen es sein, dass Männer „Reden lernen“ und „klassische Trigger und Tabus aufarbeiten“ und traumatisierte Frauen lernen „adäquat zu verarbeiten und nicht mit Hilfe von Suchtmitteln zu verdrängen oder sich zu distanzieren“, so der gemeinsame Tenor der Referenten. 

Männer stehen dem Suchtmittel, meist Alkohol, oftmals mit einer positiven Erwartungshaltung entgegen. Frauen dagegen versuchen ihre Gefühle mit dem Konsum eines oder mehrerer Suchtmittel, zu dämpfen, sie wollen vergessen. 

„Bei der Suchtarbeit muss der Blick auf das Gelingende gerichtet sein. Es bringt den Frauen und Männern mit einer Suchterkrankung nichts, wenn wir und auch sie selber einen defizitären Blick auf die Suchterkrankung haben. Wir müssen vielmehr ressourcenorientiert denken“, sind sich die Referenten einig.

 Die Fachabteilung Suchtmedizin mit besonderem Behandlungskonzept

Die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen ist ein Schwerpunkt am Klinikum Wahrendorff. Drogen und Suchtmittel verursachen erhebliche gesundheitliche, soziale und wirtschaftliche Probleme. Repräsentativen Studien zufolge leiden rund 20 Millionen Menschen in Deutschland an einer Suchterkrankung. 
Es müssen daher Techniken im Umgang mit Krisensituationen erlernt werden. Zum einen spielt das Konzept der Achtsamkeit dabei eine wesentliche Rolle. Hierbei trainiert der Patient eine bewusste Aufmerksamkeitslenkung. Das führt zu einer besseren Einschätzung eigener Frühwarnsignale und lehrt den Patienten, Symptome als Symptome zu akzeptieren, statt sie als Katastrophe zu bewerten. Zum anderen lernen die Patienten im Stresstoleranztraining dysfunktionales Verhalten (Selbstverletzung, wieder Trinken) durch funktionales Verhalten (Skills) zu ersetzen. Alle Mitarbeiter der Klinik im Park 1 wurden in diesen speziellen Techniken geschult.
Im Jahr 2013 wurde in der Fachabteilung Suchtmedizin unter der Leitung von Chefarzt Dr. Hettich das Behandlungskonzept der achtsamkeitsbasierten Rückfallprävention erfolgreich eingeführt. In Form eines Handbuches (Manual)  entstand ein Leitfaden für Patienten und Mitarbeiter, der auf beiden Seiten Orientierung und Sicherheit in der Behandlung gibt. Das Manual informiert über den Behandlungsansatz, die therapeutische Haltung der Mitarbeiter, den Therapieplan, die unterschiedlichen Berufsgruppen und deren Angebote, das Aufnahmeprozedere sowie die Stationsregeln und gibt ausführliche  Informationen über das Entstehen, den Verlauf und die Beeinflussungsmöglichkeiten von Abhängigkeitserkrankungen und deren neurobiologischen Grundlagen. „Der konkreten Besprechung eines einzelnen Rückfalls wurde bisher in Therapien oft zu wenig Raum geboten. Oft ist aber ein gut strukturiertes Vier-Augen-Gespräch bei einer Rückfallanalyse notwendig, damit Betroffene sich öffnen und das Rückfallgeschehen genau berichten können. Nur so können wir unseren Patienten eine Sichtweise eröffnen, aus der heraus sie ihre eigenen „Rückfallmuster“ auch verstehen und an ihnen arbeiten können“, erläutert Sara Braunert, Psychologin am Klinikum Wahrendorff.

Die Stationsleitung der Klinik im Park I, Irina Ermisch, präsentierte und erläuterte den Besuchern das Konzept und das Manual der Rückfallanalyse in den Pausenzeiten.

Das Klinikum Wahrendorff ist das Fachkrankenhaus für die Seele. 

Es ist ein großer Komplettanbieter für Psychiatrieversorgung und liegt zwölf Kilometer östlich der Landeshauptstadt Hannover. Das Klinikum verfügt über 260 Krankenhausbetten und 200 teilstationäre Plätze. Im Heimbereich finden über 950 Bewohner eine individuelle und fachlich anspruchsvolle Versorgung. Mit 1.200 Mitarbeitenden ist es der größte regionale Arbeitgeber und mit über 100 Ausbildungsplätzen einer der wesentlichen Ausbildungsbetriebe. Das Klinikum Wahrendorff sichert in Niedersachsen die psychiatrische Versorgung für die östliche Region Hannover und die Stadt und den Landkreis Celle.

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