Das Fachkrankenhaus für die Seele
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19. September 2019

Gerontopsychiatrisches Symposium im Klinikum Wahrendorff

Veröffentlicht am Freitag, 24.10.2014
Zuletzt geändert am Donnerstag, 09.05.2019

Seelische Gesundheit im Alter: Viele ältere Menschen leiden an psychischen Problemen

Etwa ein Viertel der über 70-Jährigen ist von psychischen Erkrankungen betroffen.  Dazu gehören neben Demenzen die Depressionen, Ängste, Schlafstörungen, der akute Verwirrtheitszustand und Suchterkrankungen. Die Erkrankungen treten häufig mit anderen Krankheitsbildern auf, insbesondere chronischen körperlichen Erkrankungen und werden oft nicht frühzeitig erkannt. 

Auf dem VII. Gerontopsychiatrischen Symposium im Klinikum Wahrendorff diskutierten Experten aus dem gesamten Bundesgebiet über psychische Erkrankungen älterer Menschen und die mögliche Vorsorge für eine seelische Gesundheit im Alter. An die 250 Teilnehmer hörten Vorträge namhafter Referenten, die ihre vielfältig gesammelten Erfahrungen weitergaben und neue Einblicke in die Situation psychisch erkrankter älterer Menschen ermöglichten. Auch die Herausforderungen der professionellen Helfer wie Hausärzte, ambulante Pflegedienste, Heimeinrichtungen und Psychotherapeuten wurden gesondert beleuchtet. „Durch die steigende Lebenserwartung und den zunehmenden Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft rückt auch das Wissen um die Behandlung psychischer Erkrankungen im Alter zunehmend in den Fokus der Betrachtung“, so Oliver Rosenthal, Leitender Arzt der Abteilung Seelische Gesundheit im Alter am Klinikum Wahrendorff.  

Prof. Dr. Siegfried Weyerer, Leiter der Arbeitsgruppe Psychiatrische Epidemiologie und demographischer Wandel am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, sprach über den Gebrauch und Missbrauch von Alkohol und Medikamenten im höheren Lebensalter. Etwa ein Drittel der Alkoholabhängigen im Alter beginnen erst nach dem 60. Lebensjahr mit dem Trinken. Vielen älteren Menschen fehlt ein soziales Netzwerk. Risikofaktoren für den Missbrauch von Alkohol liegen oftmals in der Pensionierung, dem Tod des Partners, finanziellen Einbußen, körperlichen Erkrankungen und Schmerzen. Durch diese Risikofaktoren fällt die Erkrankung oftmals auch erst sehr spät auf, weil sich die Erkrankten nicht in einem sozialen Umfeld wie dem Arbeitsplatz, dem Straßenverkehr oder der Familie bewegen. Prof. Weyerer sprach von einer stillen Epidemie: „Die Zahl der Suchterkrankten wird sich bis 2020 mehr als verdoppeln und alkoholbedingte Demenzen nehmen zu.“ 

„Depressionen und Suizidalität im Alter – erkennen, behandeln, vorsorgen“, so der Titel des zweiten Fachvortrages. Dr. med. Claus Wächtler, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie, Vizepräsident der Deutschen Akademie für Gerontopsychiatrie und –psychotherapie und Mitglied im Nationalen Suizidpräventionsprogramm für Deutschland, Arbeitsgruppe Ältere Menschen, brachte neue Erkenntnisse über das komplexe Thema mit. Eine gedrückte Stimmung, der Verlust an Freude sowie Energiemangel oder eine starke Ermüdbarkeit stellen die Hauptmerkmale depressiver Störungen dar. Auch Schlafstörungen, Appetitverlust und Konzentrationsstörungen sind typische Begleiterscheinungen. Treten die beschriebenen Symptome im Alter auf, werden diese häufig von den betroffenen Personen selbst, aber auch von Ärzten oder Therapeuten als normale Reaktion auf die Verluste und Beeinträchtigungen des Alters bewertet. „Eine bessere Erkennung und Behandlung der Depression könnte viel Leid und viele Suizide älterer Menschen verhindern“, so Dr. Wächtler. 

In den Diskussionen zwischen den Vorträgen wurde deutlich, dass der Bedarf an Aufklärung zum Thema „Sucht und Depression im Alter“ sehr hoch ist. Es braucht gut aufbereitete Informationen für die Öffentlichkeit, ältere Menschen, die über Ihre Krankheit sprechen, weitere Fortbildungsmöglichkeiten für Fachpersonal, insbesondere auch für Pflegende im Heimbereich und angepasste, barrierefreie Therapieangebote, die auch unterschiedliche Zielgruppen berücksichtigen. Denn psychische Probleme bei Männern zeigen sich häufig anders als bei Frauen.   

Der zweite Teil des Symposiums gab den Themen Persönlichkeitsstörungen im Alter und dem älteren schizophrenen Patienten Raum. Andreas Dally, Leiter des Bereiches Klinische Psychotherapie Erwachsener in der Asklepios Klinik Tiefenbrunn und Dr. Wolfgang Becker, Chefarzt am Klinikum Wahrendorff, sprachen zu diesen Themen.  

Gerontopsychiatrie – Abteilung Seelische Gesundheit im Alter im Klinikum Wahrendorff

Die Abteilung ist auf die Behandlung von seelischen Erkrankungen im Alter spezialisiert. Behandelt werden Menschen ab dem 60. Lebensjahr, wenn sie beispielsweise von nachlassender Konzentration bzw. von nachlassender Gedächtnisleistung betroffen sind. Aber auch bei anderen psychischen Erkrankungen wie etwa seelischen Krisen, Depressionen im Alter, Angststörungen, anhaltende Schmerzstörungen, akuten Verwirrtheitszuständen, Demenzen, Posttraumatischen Belastungsstörungen, Psychosen und Persönlichkeitsstörungen wird professionelle Hilfe geboten.

Das Klinikum Wahrendorff ist das Fachkrankenhaus für die Seele. 

Das zwölf Kilometer östlich der Landeshauptstadt Hannover gelegene Krankenhaus bietet ambulante, teilstationäre und vollstationäre Versorgung in der Akutpsychiatrie, Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie. Der Heimbereich ermöglicht Wohn- und Lebensperspektiven für seelisch und geistig behinderte Menschen. Das Klinikum verfügt über 260 Krankenhausbetten und 200 teilstationäre Plätze. Im Heimbereich finden mehr als 950 Bewohner eine individuelle und fachlich anspruchsvolle Versorgung. Mit 1.200 Mitarbeitenden ist es der größte regionale Arbeitgeber und mit über 100 Ausbildungsplätzen einer der wesentlichen Ausbildungsbetriebe.

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