Das Fachkrankenhaus für die Seele
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26. April 2017

Was behandeln wir?

Im Zentrum unserer Arbeit steht die Behandlung psychischer Erkrankungen von Menschen im höheren Alter. Hierzu gehören z.B. seelische Krisen, depressive Erkrankungen, Angsterkrankungen, anhaltende Schmerzstörungen, oder demenzielle Erkrankungen mit nachlassender Gedächtnis- und Konzentrationsleistung.  

Die Prägung von Generationen, der Rückblick auf Erfahrungen aus mehreren Jahrzehnten Lebenszeit sowie gleichzeitig ein häufigeres Auftreten von körperlichen Erkrankungen müssen im Alter besondere Berücksichtigung finden.

Seelische Krisen im Alter

Seelische Krisen zeigen sich oft durch einen Verlust des seelischen Gleichgewichts, durch ein subjektives Gefühl der Überforderung, durch ein Gefühl der Kraftlosigkeit und der fehlenden Handlungsmöglichkeit, durch Ängste, durch eine deutliche Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls sowie durch einen großen Leidensdruck. Seelische Krisen können durch besondere Ereignisse oder durch besondere Lebensumstände ausgelöst werden, die der betroffene Mensch im Moment nicht hinreichend bewältigen kann.
Die Auslöser einer seelischen Krise können vielschichtig sein, z.B. können individuelle Belastungen, Traumatisierungen, der Verlust eines wichtigen Menschen, Trauer, der Austritt aus dem Berufsleben oder ein Umzug in eine veränderte Wohnform zur Entstehung einer seelischen Krise führen.

Depression im Alter

Der Prozess des Älterwerdens stellt den Menschen vor große Herausforderungen. Die Konfrontation mit dem Thema "Tod", nachlassende Kräfte oder Veränderungen im sozialen Umfeld müssen bewältigt werden.
Die Depression im Alter ist eine Erkrankung, die den Körper, die Stimmung und das Denken betrifft. Zu den typischen Symptomen der Depression zählt, dass den Betroffenen die notwendige Energie fehlt, die Aktivitäten auszuführen, die sie sonst problemlos oder sogar mit Freude absolviert haben. Die Betroffenen fühlen sich matt und geben eine traurige, niedergeschlagene Stimmungslage, Schlafstörungen sowie Konzentrationsstörungen an.
Weitere Symptome der Depression im Alter können Interessenlosigkeit, starke Verlangsamung, Appetitlosigkeit, Selbstvernachlässigung, Verwahrlosung, Hoffnungslosigkeit, Misstrauen und Reizbarkeit sein. Häufig beginnt die Erkrankung damit, dass die Patienten keinen Appetit mehr haben, woraus ein Gewichtsverlust resultiert kann und sie sich körperlich nicht wohl fühlen. Die Betroffenen leiden oft unter diffusen, häufig schwer beschreibbaren Schmerzen, z.B. Kopf- und Gliederschmerzen, für die häufig keine körperlichen Ursachen gefunden werden.
Die Ursachen für eine Depression im höheren Alter können vielfältig sein. So können z.B. der Verlust der Selbständigkeit infolge einer körperlichen Erkrankung, Vereinsamung, mangelnder sozialer Rückhalt, eine  Entwurzelung bei Ortswechsel, z.B. durch Umzug in ein Pflegeheim, finanzielle Sorgen, Konflikte mit Angehörigen und eine negative Lebensbilanz eine Rolle bei der Entstehung einer Depression im höheren Alter spielen. Ein depressives Krankheitsbild kann z.B. auch durch verschiedene körperliche Erkrankungen hervorgerufen werden, wie etwa eine Unterfunktion der Schilddrüse, Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen etc. Für eine sichere Abgrenzung ist eine sorgfältige ärztliche Diagnostik notwendig.

Angsterkrankungen im Alter

Symptome einer Angsterkrankung können in körperliche Symptome wie z.B. Herzrasen, Schweißausbrüche, schnelles, flaches Atmen oder Mundtrockenheit, und in psychische Symptome wie Angstgefühle, Unsicherheit und Angst vor Kontrollverlust, „ich sitze jetzt in der Falle“, unterschieden werden. Im Vordergrund der Beschwerdeschilderung älterer Menschen stehen oft körperliche Symptome wie Beklemmungsgefühle, Schwindel, Atemnot oder Schlafstörungen, so dass für die Angstsymptome eher organische Ursachen als Erklärung gesucht werden. Für die Diagnosestellung der Angsterkrankung ist es wichtig, dass ein Zusammenhang zwischen den jeweiligen körperlichen und psychischen Symptomen erkannt wird.
Im Unterschied zu jüngeren Erwachsenen sind Angstsymptome im höheren Alter vermehrt im Zusammenhang mit anderen psychischen Krankheitsbildern anzutreffen. Es ist dann individuell abzuklären, welches Krankheitsbild als Grunderkrankung anzusehen ist. So können Angstsymptome z.B. auch im Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen, mit Demenz-Erkrankungen, mit Entzugssymptomen bei einer vorliegenden Abhängigkeitserkrankung, mit körperlichen Erkrankungen und als Medikamenten-Nebenwirkungen auftreten. Am häufigsten treten sog. Panikstörungen auf, gefolgt von Phobien und von sog. generalisierten Angststörungen.
Mögliche Ursachen für Angsterkrankungen können eine belastende Lebenssituation oder eine schwere Erkrankung bzw. der Tod eines nahestehenden Menschen in den Monaten vor dem erstmaligen Auftreten der Angstsymptomatik sein. Ähnliche Krankheitsbilder sind depressive Störungen, Zwangsstörungen und sog. Somatoforme Störungen wie z.B. anhaltende Schmerzstörung. Für eine sichere Abgrenzung ist eine sorgfältige ärztliche Diagnostik notwendig.

Somatoforme Störungen im Alter

Als Somatoforme Störungen werden körperliche Beschwerden bezeichnet, für die keine hinreichende körperliche Ursache gefunden werden kann. Betroffene leiden beispielsweise unter starken Schmerzen, werden nach ärztlicher Untersuchung jedoch ohne klinisch relevanten Befund entlassen. Oft führt dies dazu, dass viele Ärzte nacheinander aufgesucht werden, um irgendwann endlich eine Erklärung für die Beschwerden zu bekommen.
Zirka 80 Prozent aller Menschen leiden in ihrem Leben einmal an einer somatoformen Störung, die jedoch in den meisten Fällen von allein wieder abklingt. Häufig handelt es sich hierbei um nicht organisch bedingte Schmerzen, Magen-Darm-Leiden oder Herz-Kreislauf-Beschwerden. Bei 4 bis 20 Prozent chronifiziert sich die Störung und führt oft zu einem langen Leidensweg für die Betroffenen. In erster Linie ist dieser Leidensweg meist deshalb so lang, weil die Diagnose „somatoforme Störung“ nicht gestellt wird und dadurch eine adäquate Behandlung ausbleibt.
Neben „unerklärlichen“ Schmerzen und anderen Beschwerden ist auch die Angst, an einer schlimmen Erkrankung zu leiden, eine somatoforme Störung. Betroffene gehen immer wieder zum Arzt, aus Angst, erkrankt zu sein. Ärztlicherseits wird jedoch eine Erkrankung nicht festgestellt. 

Demenzielle Erkrankungen

Typische und häufige Symptome demenzieller Erkrankungen sind Störungen des Gedächtnisses, der Orientierung, des Sprachverständnisses, des Lesens und Schreibens und eine damit verbundene alltagsrelevante Einschränkung der Lebensführung. Die Ursachen einer solchen Erkrankung können vielfältig sein und erfordern eine sorgfältige Diagnostik.
Bei zirka 55 Prozent aller erkrankten Menschen handelt es sich um eine Alzheimer-Demenz. Die kognitiven Defizite, z.B. Orientierung- und Gedächtnisstörungen, sind bei dieser Art der Demenz gleich verteilt. Etwa 15 Prozent aller erkrankten Menschen leiden an einer gefäßbedingten Demenz. Risikofaktoren, wie z.B. ein erhöhter Blutdruck, eine Zuckerkrankheit oder ein Nikotinmissbrauch begünstigen ein Erkranken an dieser Art von Demenz. Die sogenannte gemischte Demenz ist eine Kombination aus der Alzheimer- und der gefäßbedingten Demenz. Zirka 15 Prozent der betroffenen Menschen leiden an dieser Form der Erkrankung.
Für die Differenzierung erfolgen eine standardmäßig durchgeführte klinisch-psychiatrische und körperliche Untersuchung sowie Blutuntersuchungen, bildgebenden Untersuchungen, z.B. ein MRT, die Durchführung neuropsychologischer Testverfahren und neuropsychologische Untersuchungen, wie z.B. ein EEG.